Kolumnen & Analysen Märkte

Auslandsaktien: Aufschwung mit Haken und Ösen
Börse Frankfurt - Indizes - 03.07.2014

Marktbericht vom Handel mit internationalen Werten

3. Juli 2014. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Nach langer Durststrecke geht es mit der britischen Wirtschaft wieder steil bergauf. Erstmals nach der Finanzkrise nimmt die Konjunktur deutlich an Fahrt auf. Allein im ersten Quartal verzeichnet das Bruttoinlandsprodukt im Vergleich zur Vorjahresperiode ein Plus von 3,1 Prozent und die Arbeitslosenquote bewegt sich auf dem niedrigsten Niveau seit fünf Jahren. "Die Bank of England hat mit Zinserhöhungen reagiert", bemerkt Jan Vrbsky von der Baader Bank. Entsprechend hat das britische Pfund gegenüber dem Euro seit Jahresbeginn um 6 Prozent aufgewertet. Auch am Aktienmarkt geht es bergauf. In den vergangenen 12 Monaten steht beim FTSE 100 ein Plus von rund 14 Prozent, seit Jahresbeginn 3,5 Prozent.

Sorgenkind Immobilienmarkt

Allerdings steht der Aufschwung bislang auf einem wackligen Fundament kräftig steigender Immobilienpreise und kreditfinanziertem privaten Konsum. Auch liegt die Staatsverschuldung im vergangenen Jahr mit 94,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts in etwa auf dem Niveau Spaniens und Frankreichs. Die Netto-Neuverschuldung übersteigt mit 6,4 Prozent den durchschnittlichen Wert im Euro-Raum von 3,1 Prozent deutlich.

"Insbesondere der Immobilienmarkt bereitet der Regierung einiges an Kopfzerbrechen", bemerkt Michael Arras von der Close Brothers Seydler Bank. "In und um London sind die Preise seit Jahresbeginn zum Teil um 20 Prozent gestiegen." Zwischen 50 und 70 Prozent hätten die Hauspreise in Spitzenlagen seit Beginn der Finanzkrise im Jahr 2008 zugelegt.

Notenbank steuert dagegen

Um einer Blasenbildung entgegen zu wirken, hat die Bank of England neue Regeln zur Hypothekenvergabe verabschiedet. "Das Hypothekenvolumen einer Bank darf nur noch zu 15 Prozent riskante Posten enthalten", wei0 Arras. Finanziert werden dürfe zudem nur noch bis zum 4,5-fachen vom Jahreseinkommens eines Kreditnehmers. "Stresstests mit steigenden Zinsen sollen darüber hinaus Schwachstellen aufzeigen."

Teurer Austritt aus der Gemeinschaft

Im Übrigen setze der gegenwärtig diskutierte EU-Austritt nach Berechnungen der London School of Economics die konjunkturelle Erholung aufs Spiel. Betrachte man die Effekte auf den Handel koste dieser Schritt im günstigsten Fall 2,2 Prozent der britischen Wirtschaftsleistung. Im schlimmsten Fall könne ein Brexit, was für British Exit steht, längerfristig 10 Prozent der Wirtschaftskraft kosten. Das liege vor allem an der starken Handelsverflechtung mit der EU. Gegenüber weniger als einem Drittel im Beitrittsjahr 1973 lieferten die Briten inzwischen rund die Hälfte ihrer Exporte an die Gemeinschaftsstaaten. Zusätzlich wäre der Spitzenplatz bei ausländischen Direktinvestitionen in Gefahr.

Diese Belastungen würden letztendlich die Briten in Form von niedrigeren Löhnen tragen. Die bereits sechs Jahre andauernden Phase von Lohnkürzungen setze sich im Falle des Austritts aus der Europäischen Union fort. Die finanziellen Vorteile beschränkten sich auf den Wegfall von Transferzahlungen an die EU, die 2013 rund 0,5 Prozent des britischen Volkseinkommens ausmachten.

Luxusbranche boomt

Die Weichen auf Wachstum gestellt hat die international aufgestellte Burberry Group (WKN 691197). Dem britischen Kultlabel bescherten satte Margen einen Gewinnsprung von 25 Prozent im abgelaufenen Geschäftsjahr, wie Arras berichtet. "Nach dem Wechsel von Angela Ahrendts zu Apple hat der Chefdesigner Christopher Bailey nun die Führung übernommen und bereits die ersten Weichen gestellt." Ab jetzt werde etwa die Kosmetiksparte in eigener Regie geführt. Zugleich stärke Burberry die Präsenz im Mittleren Osten, Europa und Afrika sowie im Online-Vertrieb. Die entwcikelt sich allerdings zögerlich, sie hat sich innerhalb der vergangenen 12 Monate von 16 auf 18,50 Euro verteuert.

Airbus Deal beflügelt Rolls Royce

Rolls Royce hat einen Auftrag für leisere und wirtschaftlichere Triebwerke im überarbeiteten A330 an Land gezogen (WKN A1H81L). "Der US-amerikanische Konkurrent General Electric (WKN 851144) scheint als Lieferant für die Spritsparversion des A330 nicht mehr im Rennen", berichtet Arras. Der Aktie hilft die intensivere Zusammenarbeit mit Airbus (WKN 938914) auf die Sprünge, im Wochenverlauf stieg der Kurs von 12,80 auf 13,40 Euro.

TUI-Aktie zieht nach London

Mit der geplanten vollständigen Übernahme der britischen Tui PLC gehört bald auch Tui Travel (WKN A0MWY8) zur deutschen TUI AG (WKN TUAG00). "Vorausgesetzt der Deal wird von den Hauptversammlungen beider Unternehmen abgenickt, entsteht damit der größten Ferienhotelbetreiber der Welt", weiß Arras. Mit mehr als 230 Hotels und Resorts und 74.000 Mitarbeitern in 130 Ländern werde die neu formierte TUI weltweit rund 30 Millionen Kunden bedienen. "Bis zum Herbst soll ein Übernahmeangebot stehen." Nach erfolgreicher Fusion sei die Aktie nach heutigen Plänen nicht mehr im MDAX, sondern nur noch in London gelistet. "An der Frankfurter Börse ist sie dann im Open Market handelbar."

von Iris Merker, Deutsche Börse AG
© 3. Juli 2014

Aktuelle Kolumnen & Analysen

Hüfners Wochenkommentar: "Fallstricke der Volatilität"
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DAX weiter abwartend – Macron-Rally wird noch verdaut
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Euwax Trends: Trumps Steuerpläne – Zahlenflut – DAX verschnauft – EZB im Blick
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Die gestern Abend vorgelegten Steuerpläne von US-Präsident Donald Trump haben dem Aktienmarkt zunächst keine neuen Impulse verschafft, aber sie haben auch nicht enttäuscht. Die Regierung in Washington will vor allem die Unternehmen massiv entlasten. Die Firmensteuer soll von 35 auf 15 Prozent gesenkt werden. Abgaben auf im Ausland erwirtschaftete Erträge sollen ebenfalls geringer ausfallen. Eine Importsteuer sei nicht geplant. ... mehr

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Baader Bond Markets: Wieviel Feingefühl hat Mario Draghi?
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DAX leicht im Minus – EZB dürfte sich zurückhalten
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Die Regierung Trump verkündete den Märkten gestern nichts, was sie nicht bereits wussten. Nach anfänglichen Gewinnen drehten die Kurse an der Wall Street am Ende ins Minus. Dies wirft einen langen Schatten auf den heutigen Handel in Europa. Der Deutsche Aktienindex dementsprechend im Minus – der Widerstand bei 12.500 Punkten konnte zunächst nicht überwunden werden. In den Kursen sind schon viele positive Nachrichten eingepreist. Daher muss schon viel passieren, um die Rally am Laufen zu halten und eine früher oder später einsetzende Korrektur zu verhindern. ... mehr

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Nachdem WTI in der Vorwoche nach der Veröffentlichung der US-Lagerbestände deutlich unter Druck kam, setzte sich die Abwärtsbewegung auch im weiteren Wochenverlauf fort. Dabei bleibt die Sorge vor einem zu hohen Angebot das bestimmende Thema am Ölmarkt. Solange sich diese Unsicherheit im Markt befindet dürfte ein Anstieg über den übergeordneten Widerstandsbereich zwischen 54,60 USD und 55,25 USD nur schwer umzusetzen sein. Derweil sind nach den deutlichen Rücksetzern aus der Vorwoche wieder wichtige Unterstützungsbereiche in den Fokus der Anleger geraten. ... mehr

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USA: Unternehmenssteuer soll auf 15 Prozent sinken Der EZB-Rat entscheidet heute darüber, ob die Forward Guidance und das Wording angepasst werden. Bereits bei der letzten Ratssitzung Anfang März wurde darüber diskutiert, die Formulierung zu streichen, wonach die Leitzinsen im Bedarfsfall noch weiter gesenkt werden könnten. Seit dieser Zeit sind wirtschaftliche Frühindikatoren mehrheitlich gestiegen, mithin könnte auch die Betonung konjunktureller Risiken aufgegeben werden. ... mehr

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Der EZB-Rat entscheidet heute darüber, ob die Forward Guidance und das Wording angepasst werden. Bereits bei der letzten Ratssitzung Anfang März wurde darüber diskutiert, die Formulierung zu streichen, wonach die Leitzinsen im Bedarfsfall noch weiter gesenkt werden könnten. Seit dieser Zeit sind wirtschaftliche Frühindikatoren mehrheitlich gestiegen, mithin könnte auch die Betonung konjunktureller Risiken aufgegeben werden. All dies würde Spekulationen auf eine baldige Rückführung des Anleihekaufprogramms und auf eine Erhöhung des Einlagensatzes schüren. Ob sich bereits heute eine Mehrheit im EZB-Rat für ein verändertes geldpolitisches Signal findet, ist jedoch fraglich. ... mehr

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