Kolumnen & Analysen Märkte

Anleihen: Der Schreck sitzt tief
Börse Frankfurt - Bonds - 09.02.2018

9. Februar 2018. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Unterm Strich kaum verändert, dennoch spiegelt der Verlauf des Euro-Bund-Future auf Wochensicht die wechselnden Anlegergefühle wider. Von erhöhtem Sicherheitsbedürfnis nach Einbruch der Aktienmärkte bis zur mittlerweile weitgehend geplatzten Hoffnung auf eine schnelle Erholung am Markt war alles dabei.

Die jüngsten Belastungen am Rentenmarkt sind nach Ansicht von Analysten unter anderem der möglichen Übernahme des Bundesfinanzministeriums durch die SPD geschuldet. Diese hätte das Zeug, die Ausgabedisziplin im gesamten Euroraum zu gefährden. Am Morgen notiert das hiesige Rentenbarometer bei 157,95 Prozent.

Bondmärkte kurzfristig kaum in Gefahr



Nach dem Schreck am Aktienmarkt zum Wochenbeginn beschäftigen sich Investoren am Rentenmarkt scheinbar noch stärker als gewohnt mit den möglichen Zinserhöhungsszenarien der führenden Notenbanken und den Folgen für die Anleihemärkte. Klaus Stopp von der Baader Bank geht davon aus, dass die Bondmärkte so lange nicht kollabieren werden, wie die Zinsen im Euroraum auf dem jetzigen Stand sind. "Denn noch funktioniert die Finanzierung langer Laufzeiten mit billigem Geld", bemerkt der Händler der Baader Bank.

Der Bann der Niedrigzinsen sei zwar gebrochen und das werde auch so bleiben. Die Leitzinsen würden aber eher moderat steigen. Denn höhere Raten würden nicht nur die stark verschuldeten Eurostaaten über Gebühr belasten, sondern auch die inzwischen teilweise sehr hoch in der Kreide stehenden Unternehmen.

Keine große Zinswende



Die US-Notenbank hat nach Auffassung der Baader Bank ebenfalls keinerlei Interesse an übertriebenen Zinserhöhungsszenarien oder massiven Liquiditätsabzügen, die zum Platzen der Rentenblasen führen könnten. Nach der mühsam erarbeiteten wirtschaftlichen Erholung des Landes werde die Federal Reserve wohl kaum das Risiko eingehen, die Errungenschaft leichtfertig wieder aufs Spiel zu setzen. Höhere Kreditzinsen könnten die USA angesichts einer Gesamtverschuldung in Höhe von etwa 250 Billionen US-Dollar ohne Steuererhöhungen und Sozialkürzungen kaum stemmen.

Robert Halver wagt die These, dass ein Zurück zum alten System geldpolitischer Stabilität grundsätzlich nicht mehr möglich ist. Viele alte volkswirtschaftliche "Weisheiten aus dem Elfenbeinturm" müssten deshalb überdacht und um realpolitische Einflüsse ergänzt werden.
HalverHalver

Flucht in sichere Häfen bleibt aus



Im Handel mit Corporate Bonds meldet Arthur Brunner Zurückhaltung hinsichtlich risikobehafteter Werte. "Hybridanleihen werden in Mithaftung genommen", beschreibt der Rentenhändler der ICF Bank die gegenwärtige Lage. Auf den Abgabenlisten befände sich beispielsweise eine solche Gattung von VW (WKN A1ZE21) mit einem Kupon von 4,625 Prozent, die seit Montag von 112,55 auf 111,35 Prozent einbüßte. "Gold und deutsche Staatsanleihen konnten übrigens anders als üblich von der jüngsten Aktienschwäche nicht profitieren." Gold verlor sogar leicht. Eine Feinunze des gelben Metalls kostete zum Wochenstart 1.335 US-Dollar und ist aktuell für 1.315 US-Dollar zu haben.

Bonds von Total und SFR überzeugen



Bonds bonitätsstarker Unternehmen kämen hingegen besser an. Brunner spricht von Nachfrage nach einem Wert der französischen Ölgesellschaft Total (WKN A1869J) mit einer Stückelung von 100.000 Euro, der jährlich Zinsen in Höhe von 3,369 Prozent abwirft. "Hier standen Zuflüsse im Vordergrund."

Gute Umsätze überwiegend auf der Kaufseite verbuche die ICF Bank auch bei einer im Mai 2024 fälligen Anleihe des französischen Mobilfunkanbieters SFR Group (WKN A1ZHKK) mit einem Kupon von 5,625 Prozent.

SeniVita gesucht



Das vermehrte Interesse an einer kündbaren SeniVita-Anleihe (WKN A1XFUZ) führt Brunner auf die Ankündigung einer strategischen Partnerschaft zwischen SeniVita und der INP-Gruppe für den Bau von Pflegewohnanlagen zurück. Nach dem Kauf eines bestehenden, nach dem von SeniVita entwickelten Konzept AltenPflege 5.0 betriebenen Projekts sind demnach Verhandlungen über drei weitere Pflegeheime weit fortgeschritten. Der Kurs der Anleihe legte seit Mittwoch von 85,50 auf über 90 Prozent zu.

Anleger gewähren Rumänien Kredit



Rege Umsätze verbucht Gregor Daniel für eine neue 20-jährige Rumänien-Anleihe (WKN A19V3T) mit einem jährlichen Zins von 3,375 Prozent. Insgesamt hat der Wert seit Handelsaufnahme am Dienstag von 99,20 auf 98,50 Prozent verloren.

Größere Einzelkäufe registriert der Händler der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank beispielsweise bei einer in Mai 2025 fälligen Avis-Anleihe (WKN A19EBS) mit einem Kupon von 4,5 Prozent und einem jährlich 2,375 Prozent bringenden Peugeot-Bond (WKN A18Z7V). "Aus der Nachrichtenlage erschließt sich mir das nicht."

Griechenland probt finanzielle Freiheit



Mit der Auflage einer siebenjährigen Anleihe im Volumen von drei Milliarden Euro testete Griechenland gestern den Wasserstand am freien Kapitalmarkt, wie Brunner berichtet. "Die Emission war zunächst für Montag geplant, wurde dann aber durch die Turbulenzen am Markt verschoben." Viel schiefgehen konnte nach Ansicht des Händlers nicht. "Das Angebot war mit einer Rendite von 3,5 Prozent attraktiv." Im August 2018 enden die internationalen Hilfen im Rahmen des Rettungspakets für Athen. Danach wolle Tsipras finanziell wieder auf eigenen Füßen stehen.

von: Iris Merker
9. Februar 2018, © Deutsche Börse AG

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