Kolumnen & Analysen Märkte

Handelschancen zu jeder Zeit? Saisonalitäten machen es möglich
Sebastian Hell I QTrade - Trading Business - 22.12.2017

Sie können mit dem nötigen Aufwand im Grunde zu wirklich jedem Zeitpunkt günstige Gelegenheiten für Ihren Einstieg in bestimmte Vermögenswerte erkennen, liebe Leserschaft. Häufig lassen sich Händlerinnen und Händler mit Begeisterung für das Format Differenzkontrakt von den aktuellen Marktentwicklungen inspirieren, um so die Chancen zu analysieren und aus dem Moment heraus Orders beim bevorzugten Broker in Auftrag zu geben. Kurzfristiges Entscheiden kann Ihnen durchaus zu Erfolgen verhelfen, allerdings ist eine gezielte Planung meist lohnender, wie Ihnen engagierte und erfahrene Trader mit Sicherheit gerne bestätigen werden. Viele Branche verlaufen nach bestimmten saisonalen Mustern mit Aufs und Abs. Dies gilt auch, aber bei genauer Betrachtung nicht ausschließlich für die Baubranche zutreffend ist. Um diese Handelsstrategie rund um die besagten Saisonalitäten soll es in der letzten Kolumne zum Jahresende gehen.

Ruht der Markt, ruhen auch saisonal arbeitende Anleger



Vielleicht ist Ihnen in Ratgebern schon einmal die an den Börsen dieser Welt beliebte Redewendung „Sell in May und go away, but remember to come back in September“ aus dem Englischen bzw. Amerikanischen begegnet? Dann haben Sie genau genommen bereits einen der zentralen Grundgedanken aller Saisonalität-bezogenen Strategien kennenlernen dürfen, ohne dass Ihnen dies selbst bewusst gewesen ist. Vielleicht kennen Sie das Sprichwort auch unter dem abgekürzten Begriff „Sell-in-May-Effekt“.

Die Übersetzung ins Deutsche gelingt einfach:



Trader, die vom Nutzen dieser Strategie überzeugt sind, investieren und spekulieren am Markt, wenn die Kurse erfahrungsgemäß stark ausfallen. Auf der anderen Seite steigen Sie, liebe Leserinnen und Leser, der Redewendung folgend aus dem Markt aus, wenn die Märkte und Börsen eher von einer allgemeinen Zurückhaltung gekennzeichnet ist. Während dies für Aktionäre generell empfehlenswert ist, können sich CFD-Trader die Schwächen des Finanzmarktes durchaus zunutze machen, indem sie als Händler die sinkende Frage für sich arbeiten lassen – schlicht, indem Sie bewusst auf sinkende Kurse wetten, statt Ihr Glück allein über Direktkäufe von Wertpapieren versuchen zu müssen.

Richtiger Umgang mit dem Budget muss gewahrt sein



Es ist ganz ohne Frage möglich, dass Sie diese Strategie unbewusst schon etliche Male für sich genutzt haben. Denn genau diese Saisonalitäten sind es, die Fans von Differenzkontrakten regelrecht magisch anziehen. Dabei ist das Risiko- und Money-Management an diesem Punkt deshalb so wichtig, weil hohe Renditen gesucht werden wollen. Warum? In bestimmten Branchen (wie der erwähnten Bau- oder auch der Automobilbranche, der Kosmetikindustrie und etlichen anderen Sparten der Börse) können saisonale Rückgänge relativ treffsicher vorhergesagt werden. Auch können Sie bei Bauunternehmen, die als Aktiengesellschaften firmieren, recht genau sagen, dass zum Frühjahr hin wieder Kursanstiege zu erwarten sein werden. Eben weil die Auftragsvergabe traditionell zur wärmeren Zeit des Jahres steigt.

Rückläufiges Handelsvolumen führt zu Kurseinbrüchen



Abseits dieser saisonalen Entwicklungen gibt es noch weitere Termine während des Börsenjahrs, indem sich typische Saisonalitäten bemerkbar machen. Zu den langen Sommerferien oder rund um die Feiertage zum Ende des Jahres gehen die Umsätze am Markt meist ebenfalls mehr oder weniger deutlich in den Keller, zumindest stagnieren die Kurse, wenn sich die Marktteilnehmer allmählich in den vorübergehenden Ruhezustand versetzen, um später nach einer gewissen Pause mit neuem Elan auf die Jagd zu gehen. Aber eines darf nicht vergessen werden, bevor zum Beispiel die Weihnachtszeit ins Haus steht.

Zum Jahresschluss winken nochmals letzte Gewinnchancen



Dann nämlich ergibt sich fast immer ein mehr oder weniger deutlich spürbarer „Run“ auf die Märkte, der gerne auch als eine Art „Jahresendrallye“ bezeichnet wird. Die Anleger und Trader möchten sich Abschluss an den Märkten nochmals möglichst hohe Renditen sichern. Teilweise geschieht dies nach dem Motto „Gewinne um jeden Preis“. Wer um die Saisonalitäten weiß und diese für dich nutzt, kann übrigens gerade den Übermut und die nachfolgenden Misserfolge mancher anderer Teilnehmer zum eigenen Erfolg machen.



Saisonalität immer nur ein Teilaspekt Ihrer Strategie



Die Risiken einer Handelsstrategie auf Basis der saisonalen Besonderheiten sollten Sie aber auf keinen Fall unterschätzen. Erst einmal müssen Sie schließlich verstehen, zu welchen Zeitpunkten die wiederkehrenden Muster genau auftreten. Schwierig ist dieses strategische Modell aus einem einfachen Grund. Die Saisonalitäten-Theorie an sich ist immer nur einer von zwei Bestandteilen. Generell sagt das Konzept nämlich nichts darüber aus, welche Werte Sie denn nun im Einzelnen kaufen oder verkaufen sollten. Sie sind somit auf eine andere Strategie als Ergänzung angewiesen. Eine Variante kann die Kombination mit der Value-Strategie sein, an anderer Ansatz führt Sie möglicherweise zum Dividendenstrategie. In jedem Fall sollten Sie nicht engstirnig, sondern für verschiedene Branchen und Basiswerte zu haben sein. In einer einzigen saisonal verlaufenden Branche müssen Sie sonst lange auf die nächste Chance warten.

Saisonale Muster, aber keine verlässliche Indikator-Wirkung



Durch Flexibilität hingegen können Sie jederzeit mit Saisonalitäten im wahrsten Sinne des Wortes handlungsfähig bleiben. Eine gesunde Mischung aus einer saisonalen Strategie und einer weiteren kann Sie vor allem mittel- oder langfristig zu guten Ergebnissen führen. Ein wesentliches Hinweis zum Thema Saisonalität zeigt Ihnen, bei welchem Analyse-Modell Ihnen diese hilfreich ist. Bei der Saisonalität handelt es sich faktisch um einen „technischen Indikator“ – sie wird dementsprechend bei der Technischen Analyse genutzt, ohne dass dabei auch fundamentale Kriterien außer Acht gelassen werden. Vergessen Sie nicht, dass auch saisonalen Verläufe von einigen Faktoren beeinflusst werden können. Wichtige politische Entscheidungen zu Subventionen für bestimmte Branchen etwa können im Einzelfall erheblichen Einfluss auf die Märkte insgesamt oder einzelne Marktnischen haben. Behalten Sie also jederzeit den Börsenkalender gut im Blick, um kein wichtiges Details zu übersehen.

In allen Handelsintervallen kann Saisonalität passend sein



Viele Broker bieten Ihnen auf den Handelsplattformen bereits umfangreiche Einblicke, alternativ können Sie unabhängige Quellen im Internet als objektive Erweiterung Ihres Aktionsradius hinzufügen. Als Handelsindikator bleibt die Saisonalität weitgehend von anderen Signalen unberührt – im Fachjargon spricht man auch davon, dass saisonale Veränderungen nicht mit anderen Daten korrelieren. Abgesehen davon, dass Sie Ihren Anlagehorizont bei dieser Handelsstrategie sehr genau definieren müssen (genau genommen ist alles von kurz- bis langfristig denkbar!), sollten Sie auch darauf vorbereitet sein, zeitweise vollends aussteigen zu müssen, wenn der Markt in einer zu undurchsichtigen Phase steckt. Zurückhaltung kann eine ebenso lobenswerte wie lohnende Tugend für Sie als Trader sein!

Überraschende News können Verzerrungen und Ausbrüche bringen



Letzten Endes müssen Sie nicht nur die positiven Hintergründe, sondern ebenso mögliche Nachteile der Saisonalität kennen. Und diese gibt es. So kann es etwa dazu kommen, dass gerade unvorhersehbare Zufallsereignisse zu einer Verschiebung der sonst zu erwartenden saisonal Veränderungen führen. Zudem können die Entwicklungen selbst ohne extreme Momente vom Vorjahres-Trend abweichen. Denken Sie stets daran, dass die eine große Saisonalität nicht existent ist. Sie ist vielmehr ein Muster, das sich von Zeit zu Zeit wahrscheinlich wiederholen wird, was Ihnen jedoch niemand garantieren kann und wird. Sind Sie sich über diese verschiedenen Vor- und Nachteile im Klaren, können Sie als saisonal vorgehender Trader wirklich gut und erfolgreich aufgestellt sein! Probieren Sie es aus. Und kommen Sie gut ins neue Handelsjahr 2018!

Autor Sebastian Hell, Geschäftsführer QTrade, www.qtrade.de

Die obenstehende Kolumne wird Ihnen präsentiert von QTrade (www.qtrade.de)!
Weitere Artikel von Sebastian Hell finden Sie auch unter https://qtrade.de/tradingblog

Über den Autor & Qtrade
Sebastian Hell hat Internationale Finance in Deutschland und den USA studiert. Er berät Vermögensverwalter und Hedge Fonds bei der Umsetzung von Handelsstrategien und veröffentlich regelmäßig im Auftrag von QTrade (www.qtrade.de) Kolumnen über die Finanzmärkte. QTrade mit Sitz in München bietet seinen Kunden neben Top-Handelskonditionen umfangreiche Zusatzsoftware für den MetaTrader 4 und 5 wie Actionlines, Sekunden-Trader, QCentral, QSnap und vieles mehr! Mehr Infos unter www.qtrade.de

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