Kolumnen & Analysen Märkte

Lithium: Vorsicht, Hype!
Armin Brack - Commodities - 17.05.2016

Lieber Geldanleger,

Elon Musk bewegt Märkte. Soviel steht fest. Seine Aussage im März, dass Tesla für das angestrebte Ziel von 500.000 produzierten Elektroautos pro Jahr ab 2018 quasi die ganze momentane weltweite Lithium-Ionen-Produktion absorbieren müsste, heizte den ohnehin bereits heißen Lithium-Markt weiter an.

Bis 2020 will Tesla sogar eine Million Elektroautos jährlich produzieren. Der Schlüssel zum Erfolg: Das in der Entwicklung befindliche Model 3, das nur 35.000 US-Dollar kosten und den Massenmarkt erobern soll.

Allerdings sind die Prognosen von Musk mit Vorsicht zu genießen. Er ist dafür bekannt, seinen Mitarbeitern kaum einhaltbare Deadlines vorzugeben und diese auch häufig nach außen zu kommunizieren. Ich habe zu Tesla hier einen eher kritischen Artikel verfasst.

So oder so: Das inzwischen bereits als "weißes Öl" bezeichnete Leichtmetall ist ein elementarer Bestandteil von Lithium-Ionen-Batterien, die Elektroautos antreiben - und Tesla will nicht nur zum Elektroauto-Dominator werden, sondern den Bedarf an Batterien bekanntermaßen in seiner Gigafactory in Sparks, Nevada, gleich selbst decken. Das ambitionierte Ziel lautet: Größter Lithium-Ionen-Batterien-Hersteller der Welt werden!

Lithium ist zwar in der Erdkruste reichlich vorhanden, allerdings vor allem in weit abgelegenen und schwer zu explodierenden Gegenden, was zu logistischen und technischen Schwierigkeiten führt. Derzeit gibt es weltweit nur fünf bis sechs Vorkommen, in denen überhaupt produziert wird und die sind über Chile, Argentinien und Australien verteilt.

Aktuell kommt der größte Teil der Nachfrage noch aus China. Die chinesische Regierung braucht Lithium-Batterien für Elektrobusse und andere Elektrovehikel, damit die Großstädte nicht vollends im Smog versinken. Mit NextEV will ein chinesischen Unternehmen im nächsten Jahr auch ein Elektroauto vorstellen. Kommt es so und wird es zum Erfolg dürfte der Lithium-Verbrauch weiter steigen.

Da scheint es nur logisch, dass der Preis für Lithiumkarbonat (Li2CO3), die wichtigste Lithiumverbindung, im ersten Quartal 2016 verglichen mit dem 2015er-Durchschnittspreis um satte 47 Prozent angestiegen ist. Und das nachdem er bereits in 2015 um 28 Prozent zugelegt hatte (in einer Zeit also, in der fast alle anderen Rohstoffe aus Angst vor einem langsameren Wirtschaftswachstum in China) an Wert verloren haben.

Das jedenfalls besagen die neuesten Daten von Benchmark Mineral Intelligence, einem Dienstleister, der auf die Sammlung von Daten und Informationen zu Mineralien und Metallen spezialisiert ist, die in neuen Technologien verwendet werden.

Einen "offiziellen" Lithium-Spotpreis gibt es - wie beispielsweise auch bei Uran - nicht. Lithium wird an keiner Börse gehandelt, die Preise werden individuell in Verträgen zwischen Käufern und Verkäufern verhandelt. Daher ist es schwierig zu jedem Zeitpunkt einen exakten Preis zu ermitteln.

Ebenfalls für Aufsehen sorgte ein Report von Goldman Sachs, die prophezeien, dass sich die Nachfrage nach Lithium bis 2025 auf 570.000 Tonnen verdreifachen dürfte, getrieben vor allem durch Anwendungen für Elektroautos und Smartphones. Lithium werde zum "neuen Benzin" behauptet Goldman sogar.

Künstlicher Preisauftrieb

Haben wir es also bei Lithium mit dem Bullenmarkt des Jahrzehnts zu tun? Vorsicht, mahnen unabhängige Marktbeobachter!

Joe Lowry, der auf Grund seiner Vita nicht zu unrecht den Spitznamen "Mr. Lithium" innehat, verweist auf ein künstlich erzeugtes Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage.

Eigentlich habe China mehr als genug Kapazitäten, um Spodumen (Spodumen ist eines der wichtigsten Lithium-Erze und wird auch in der Glas- und Keramikindustrie verwendet. Spodumen-Minen sind Hartgestein-Lagerstätten. Je reiner es vorkommt, um so kostengünstiger ist die Produktion.

Letzteres hängt auch davon ab, inwieweit die Infrastruktur zum Transport bereits vorhanden ist. Wünschenswert sind Spodumen-Gehalte von 20 Prozent oder mehr) in Lithiumkarbonat umzuwandeln. Allerdings bekommen die chinesischen Konverter, die dann ihrerseits Kathodenhersteller beliefern, nicht genug Material.

Das wiederum hängt mit der Versorgungspolitik der chinesischen Sichuan Tianqi zusammen. Tianqi hält eine Mehrheitsbeteiligung an Talison Lithium, die mit ihrer Greenbushes-Mine einer der wichtigsten Lieferanten für die chinesischen Konverter ist.

Greenbushes hat weltweit die mit Abstand besten Lithium-Grade und Talison ist in der Lage in großen Mengen zu produzieren, was die Firma zum klaren Kostenführer macht. Zudem hat das Unternehmen die steigende Nachfrage nach Lithium antizipiert und die Produktionskapazitäten bereits 2012 verdoppelt. Alles richtig gemacht, kann man da nur sagen.

Der Erfolg von Talison und die Wachstumsperspektiven in China hatten Anfang 2013 einen Bieterkrieg zwischen Tianqi und der amerikanischen Rockwood ausgelöst, die es beide auf Talison abgesehen hatten. Tianqi hat dabei mit einem 800 Millionen US-Dollar-Angebot Rockwood ausgestochen, die zunächst eine Summe von 700 Millionen US-Dollar aufgerufen hatten.

Die Übernahme wurde am 26. März 2013 abgeschlossen. Im Nachgang war dann Rockwood Ende Mai 2014 sogar bereit, für eine knappe Minderheitsbeteiligung von 49 Prozent 475 Millionen US-Dollar auf den Tisch zu legen.

Aber zurück zur Versorgung: Offenbar ist es so, dass genug Spodumen nach China an Tianqi geliefert wird, diese aber Material bewusst zurückhalten. Das zeigen laut Lowry chinesische Importstatistiken. Er selber hat mit Tianqis Spodumen-Kunden gesprochen und diese haben sich - teilweise auch öffentlich - über Versorgungsengpässe beklagt.

Außer Spodumen gibt es zwar noch eine andere Art von "rohem" Lithium, das aus Salzseen gewonnene Brine. Der große Anbieter ist hier Sociedad Quimica y Minera de Chile (in den USA unter der Kürzel SQM börsennotiert). Die Brine-Produzenten sind aber laut Lowry aktuell "ausverkauft", können also auch nicht mehr liefern.

Ein neuer möglicher Anbieter ist Orocobre (AU:ORE), die aber wiederum noch mit starken internen Problemen zu kämpfen haben und noch Zeit brauchen, bis sie große Mengen produzieren können.

Insofern ist die Machtposition von Tianqi derzeit sehr hoch. Laut Lawry gilt das Unternehmen in China bereits als "Evil Empire". Dabei sind sich die beiden Jointventure-Partner Tianqi und Albemarle wohl untereinander uneins über die Strategie. Tianqi will als größter chinesischer Konverter die Preise in die Höhe treiben, um möglichst profitabel zu sein und hält das Material zurück, wogegen es das Interesse von Albemarle wäre, möglichst viel Spodumene zu produzieren und möglichst viel in China zu verkaufen.

Allerdings hat Albemarle andererseits auch bekanntgegeben, ihre Hydroxid-Kapazitäten für eine paar Jahre nicht erweitern zu wollen. Und angesichts der begrenzten vorhandenen Kapazität und der Qualitätsprobleme, die man in der Hydroxid-Fabrik in North Carolina hat, könnte dem Unternehmen die Knappheit am Konversionsmarkt vielleicht gar nicht so ungelegen kommen. So könnte man eventuell mit den chinesischen Konvertern im Zeitraum 2016 bis 2019 bessere Vertragsbedingungen aushandeln.

Zwischenfazit: Ein marktbeherrschender Player (evtl. auch zwei) nutzt derzeit seine Quasi-Monopolstellung aus, um die eigenen Interessen am Markt durchzudrücken. Das heißt aber umgekehrt auch, dass der Preis genauso schnell wieder deutlich einbrechen könnte, wenn Tianqi die Blockadehaltung irgendwann aufhebt. Zunächst dürfte das nicht der Fall sein, weil das Unternehmen der Hauptprofiteur des steigenden Preises ist.

Aber wenn zusätzliche Anbieter produktionsreif werden und Marktanteile von Tianqi gefährden könnten, könnte es zu einer Rolle rückwärts kommen und der Preis einbrechen. Dann laufen die neueren, kleineren und zwangsweise hoch verschuldeten Anbieter Gefahr, wieder vom Markt gefegt zu werden. Das organische Wachstum des Lithium-Marktes liegt laut Lawry derzeit in etwa bei eher überschaubaren zehn Prozent jährlich.

Und im Übrigen: War es nicht auch Goldman Sachs, die damals einen Ölpreis von 200 US-Dollar je Barrel prognostiziert hatten? Heute gibt es das Barrel bekanntlich für weniger als 50 US-Dollar.

Hype in Australien

Den Investoren ist das reichlich egal, bisher zumindest.

An der Australian Stock Exchange (ASX) gibt es inzwischen sage und schreibe 35 Firmen, die sich der Exploration von Lithium widmen oder zumindest planen, das zu tun. Frappierend: Mindestens ein Drittel dieser Firmen hat sich erst in den letzten fünf Monaten dazu entschlossen, in den Lithium-Bereich zu gehen.

Alle wollen auf den fahrenden Zug aufspringen. Teilweise reicht bereits die Ankündigung, "was mit Lithium" machen zu wollen, für Kursgewinne.

Dakota Minerals (AU:DKO ist die Kürzel unter der Sie die aktuellen Kurse bei www.bigcharts.com abrufen können) beispielsweise, deren Chart vorher aussah wie die berühmte Nulllinie beim Herzstillstand, wurde so im Dezember wieder zum Leben erweckt und hat sich inzwischen vervielfacht - obwohl derzeit gerade mal erste Testbohrungen laufen.

Weitere so genannte Junior-Miner wie Segue Resources (AU:SEG), Pioneer Resources (AU:PIO), Birmian Gold (AU:BGS), Caeneus Minerals (AU:CAD), Ardiden (AU:ADV) und Cazaly Resources (AU:CAZ) folgen dem Muster von Dakota.

Bei Pioneer beispielsweise ging der Kurs am Donnerstag in Australien regelrecht durch die Decke. Außer einer Investorenpräsentation zwei Tage zuvor hatte es aber nach Angaben der Firma keine neuen Entwicklungen gegeben.

Typische Me-Too-Firmen sind der Kupfer-Gold-Explorer Argonaut Resources (AU:ARE), der Eisenerzspezialist Crusader Resources (AU:CAS) und der eigentlich auf Gold und Nickel spezialisierte Explorer Hannans Reward (AU:HNR), die nun auch ins Lithium-Segment vorstoßen, weil sie so leichter an Kapital kommen.

Um an potenzielle Lithium-Abbauflächen zu kommen, gehen Explorer inzwischen auch in anderen Bereichen etablierte Minenunternehmen an. Der kleine Goldproduzent Kidman Resources (AU:KDR; Marktkapitalisierung 25 Mio. AUD) berichtet davon, dass er alleine im April vier verschiedene Anfragen von lokalen und internationalen Firmen erhalten habe, die Interesse an den Lithium- und Tantal-Rechten des eigenen Mt. Holland Goldprojekts haben. Kidman-Direktor Martin Donohue hat sich nun dazu entschlossen, zunächst selbst zu überprüfen, inwieweit eine Exploration von Lithium erfolgsversprechend sei.

Ähnlich ist es beim Nachbarn Western Areas (AU:WSA; Marktkapitalisierung immerhin 572 Mio. AUD) gelaufen, der bereits seit zehn Jahren das Forrestania-Nickelprojekt exploriert. Nun kamen erstmals Anfragen von Junior Minern nach den Lithium-Rechten. Auch Western Areas will jetzt zunächst selbst das Potenzial in dieser Richtung überprüfen.

Auch australische Experten warnen daher - wenig überraschend - vor einer Blasenbildung und rechnen damit, dass der Sektor in Kürze zurückkommen wird und die Investoren dann versuchen werden müssen, die Spreu vom Weizen zu trennen.

Rob Brierley, Chefstratege der Consulting-Firma Pattersons Research aus Perth, sieht zwar einen unstillbaren Appetit der Chinesen nach dem chemischen Element mit dem Symbol Li. Allerdings rechnet er auch damit, dass es nicht allzu lange dauern werde, bis diese Nachfrage durch zusätzliches auf den Markt kommendes Angebot gestillt werde.

Daher prognostiziert auch Andrew Shearer von PAC Partners, ein auf Aktienresearch und die Begleitung von Kapitalerhöhungen spezialisiertes Unternehmen mit Standorten in Melbourne, Sydney und Perth, dass der Großteil der neuen Lithium-Glücksritter niemals die Produktionsphase erreichen wird. Er vergleicht den aktuellen Boom mit dem bei Eisenerz, Graphite oder Seltenen Erden. "Es gibt viele Player, aber nur eine Handvoll davon wird es bis in die Entwicklung der Mine oder gar in die Produktion schaffen."

Und hier sind wir an einem entscheidenden Punkt: Es braucht viel Zeit (mindestens ein bis zwei Jahre) und Geld (ca. 10 bis 50 Millionen Euro) um eine solche Mine zu planen, die Voraussetzungen für die Genehmigung zu schaffen, zu finanzieren und zu bauen. Selten geht dies reibungslos und ohne die vielfältigsten Probleme vonstatten. Keiner der neuen Player dürfte es schaffen in 2016 überhaupt Lithium-Konzentrat zu liefern, die meisten auch 2017 nicht.

Erinnerungen an den Seltene Erden-Boom

Shearer hat Recht, wenn er sich dabei an den Seltene Erden-Hype erinnert fühlt. Damals wurden auch dutzende börsennotierter Firmen angelockt, u.a. die deutsche Tantalus Rare Earths, die jüngst Insolvenz angemeldet hat. Milliarden Investorengelder flossen in Explorationsprojekte. "Am Ende des Rennens haben es aber nur zwei Firmen kränkelnd ins Ziel geschafft.

Molycorp ist inzwischen insolvent und der Aktienkurs von Lynas (lange Zeit das Aushängeschild und Liebling der Trader; Anm. d. Verf.) ist in den einstelligen Cent-Bereich gefallen", schreibt beispielsweise der wallstreet:online-User Nuggeteer, der mir bei meinen Recherchen durch seine ausgesprochen fundierten Einschätzungen aufgefallen ist.



"Die Preise für Seltene Erden sind im Keller, richtig Geld verdient niemand und wie die astronomisch hohen Schulden von Lynas je zurückverdient werden sollen, wissen die Götter. Vorsicht, diese Geschichte könnte sich wiederholen", so Nuggeteer weiter.

Gut gebrüllt, Löwe!

Trotzdem: Solange der Bereich boomt lässt sich viel Geld verdienen, wenn man auf die Player setzt, die früh dran sind. Für Nugeteer könnte dazu Galaxy Resources (AU.GXY) gehören:

"Im Gegensatz zu praktisch allen anderen Lithium-Hopefuls hat Galaxy eine Spodumene-Mine fertig da stehen, die "nur" re-aktiviert werden muss. Genau das geschieht im Moment. So könnte Galaxy im Sommer 2016 die erste Charge Produkt ausliefern und bis Jahresende die Produktion einigermaßen hochgefahren haben.

Alle anderen - mit Ausnahme von Neometals (AU: NMT), deren Mt. Marion-Mine inzwischen im Bau ist und noch 2016 erstes Konzentrat liefern soll - haben keine Mine, sondern nur ein paar Löcher im Boden, eine Resource und eine hübsche Website."



Neometals und Galaxy könnten dann schnell mitverdienen. Das mengenmäßig eher kleine Angebot sollte gleichzeitig aber Tianqi nicht erschrecken.

Der einzige Analyst, der laut Yahoo Finance Galaxy covert, geht für 2017 von Umsätzen von 47,9 Millionen AUD und einem Gewinn von 0,03 AUD je Aktie aus.

Allerdings ist die Aktie bereits extrem gut gelaufen. Die Marktkapitalisierung ist inzwischen auf 537 Mio. AUD geklettert. Bei einem Kurs von 0,43 AUD wäre jedoch das 2017er-KGV von dann knapp 15 durchaus noch akzeptabel.

Analystenschätzungen zu optimistisch

Leider sind derartige Überschlagsrechnungen aber wenig zielführend: Galaxy wird - wenn alles 100 Prozent nach Plan läuft, und das tut es nie! - 2016 60.000 Tonnen Lithium-Konzentrat zum Preis von 600 US-Dollar je Tonne liefern und die Menge - nach Plan - 2017 auf 120.000 Tonnen verdoppeln, wobei der 2017er-Preis noch verhandelt werden wird.

Rechnet man mit optimistischen 800 US-Dollar je Tonne und den vollen 120.000 Tonnen erreicht man 96 Millionen US-Dollar, was bei einem Wechselkurs von AUD/USD von 0,75 128 Millionen AUD entsprechen würde. Galaxy und ihr Partner GMM teilen sich die Einnahmen 50/50, bleiben also 64 Millionen AUD für Galaxy an Umsatz in 2017.

Das Unternehmen hat aktuell 1,264 Milliarden Aktien ausstehen (und bis 2017 werden da auch ohne die ganz große Kapitalerhöhung für Sal de Vida allein aus den ausstehenden Optionen noch viele Millionen hinzukommen). Ein Gewinn von 3 Cents je Aktie bedeutete (nach aktueller Aktienanzahl, nicht der 2017er) einen Gewinn von 38 Millionen AUD.

Bei 64 Millionen AUD Umsatz ist das aber ziemlich illusorisch natürlich, schließlich sind die operativen Kosten zum Betrieb der Mine beträchtlich. Das heißt: Die Gewinnschätzung des Analysten ist mit hoher Sicherheit deutlich zu optimistisch. Der Gewinn pro Aktie dürfte viel geringer sein, das KGV in Wirklichkeit weit höher liegen. Zumal noch ein weiterer Aspekt hinzu kommt:

Galaxy möchte sein Brine-Projekt Sal de Vida entwickeln. Laut der 2013er Bank-Machbarkeitsstudie wird das 370 Millionen US-Dollar bzw. knapp 500 Millionen AUD kosten. Selbst wenn Galaxy ein 50/50-Jointventure (JV) eingeht, bedeutet das MASSIVEN Kapitalbedarf.

Rechnet man mit einem 50/50 JV und 500 Millionen AUD, betrüge Galaxys Anteil 250 Millionen AUD. Bei einem Verschuldungsgrad (debt-to-equity Quote) von optimistischen 80 Prozent müsste Galaxy in einer Kapitalerhöhung 50 Millionen AUD aufbringen.

Das ist eine Menge Holz. Die Zahl der ausstehenden Aktien wird nochmal beträchtlich steigen und das 2017er-KGV weiter nach oben treiben (ich gehe im Kasten oben daher nur von einem 2017er-Gewinn von 0,01 AUD je Aktie aus, woraus sich ein KGV von 43 errechnet, wobei die Schätzungen mit sehr hoher Unsicherheit verbunden sind).

Weniger vage ist das Kurs-Umsatz-Verhältnis und das ist inzwischen mit knapp zehn für 2017 für einen Lithium-Explorer extrem hoch. Ein Insider, dessen Name der Redaktion vorliegt, bringt es auf den Punkt: "Wenn die Herrschaften bei Galaxy schlau sind, nutzen sie den aktuellen Hype, um einen guten Teil davon möglichst schnell ins Trockene zu bringen. Noch vor 1/2 Jahr wäre eine solche Kapitalaufnahme für Galaxy unmöglich zu stemmen gewesen."

Der Gedanke dahinter: Je höher der Kurs, zu dem die Kapitalerhöhung platziert werden kann, umso weniger Aktien müssen ausgegeben werden und umso geringer ist die Verwässerung. Alleine die Ankündigung einer solchen Maßnahme könnte aber den Kurs drücken, weil Unsicherheit über den Ausgang und den Kurs, zu dem die Kapitalerhöhung stattfinden würde, entstünde.

Die Gefahr kommt aus dem Salzsee

Zudem muss berücksichtigt werden, dass die Lithiumpreise, die der obigen Schätzung zugrunde liegen, sehr optimistisch sind und eher temporär sein dürften. Alle Firmen, die Lithiumkonzentrat aus Spodumen liefern wollen könnten ein ihre Existenz bedrohendes Problem bekommen, sobald neue Kapazitäten aus Salzseen ("brine") verfügbar werden. Denn mit dieser Methode ist die Förderung wesentlich günstiger.

Genau deshalb will Galaxy bis dahin das Sal de Vida Projekt in Argentinien in Produktion haben. Denn sonst könnten womöglich auch sie dem zu erwartenden Preisrückgang für Spodumen zum Opfer fallen. Galaxy weiß aus eigener Erfahrung, wie sich das anfühlt. Schon einmal mussten sie ihre Mine wegen niedriger Preise (und eines hohen AUD) dichtmachen. Genau das war es ja, was die Aktie erst in den Bereich von 2,5 Cents fallen ließ.

Selbst ohne Brine-Kapazitäten dürften Galaxy und wohl auch Neometals noch in 2016 damit beginnen, die chinesischen Konverter zu beliefern, was sich in 2017 noch verstärken dürfte. Ungeachtet der weiter steigenden Nachfrage dürfte dann der Preis für Lithiumkarbonat zu sinken beginnen.

Übrigens: Diesen Donnerstag hat es in China erstmals seit langem einen Preisrückgang bei Lithiumkarbonat gegeben, nachdem er in den letzten Wochen schon nicht mehr weiter angestiegen war. Es dürfte sich lohnen, zu beobachten, ob das ein einmaliger Ausreißer war oder gar der Beginn eines Trends ist.

Die Kurse einiger Möchtegern-Lithiumproduzenten sind in den letzten Tagen schon heftig unter die Räder gekommen. Bei Pure Energy (CA:PE) hat ein Bohrprogramm enttäuschende Ergebnisse geliefert, die sich auch auf den Kurs von Lithium X, einem weiteren Explorer ausgewirkt haben. Lithium X wie Pure Energy gehören jeweils Liegenschaften südlich von Chemetalls Foote.

Chemetall Foote ist das Lithium-Vorkommen von Albemarle in den USA und das einzige das derzeit in den USA überhaupt Lithium produziert. Interessant: Die Wurzeln von Chemetall befinden sich in Deutschland. Das Unternehmen gehörte im 19. Jahrhundert zur deutschen Metallgesellschaft.

Es scheinen also erste Wolken am bisher so strahlend blauen Lithium-Himmel aufzuziehen.

Ein mögliches Opfer

Ein Opfer dieser Entwicklung könnte beispielsweise Pilbara Minerals (AU:PLS) werden. CEO Ken Brinsden hält die Vorkommen der Pilgangoora-Liegenschaft naturgemäß für konkurrenzfähig. Nach einer positiven, vorläufigen Machbarkeitsstudie gelang es dem Unternehmen, eine Finanzierung in Höhe von rund 100 Mio. AUD für die Entwicklung unter Dach und Fach zu bringen.

"Deshalb wird Pilgangoora zu einem sehr wichtigen Projekt für das Angebot an Lithium aus Hartgestein werden. Der Umfang und die äußerst konkurrenzfähigen Kosten werden sicherstellen, dass es über Jahrzehnte hinweg ein wichtiger Teil der Lithiumlieferkette bleiben wird", ist Brinsden in einem Interview mit Miningscout.de zwar überzeugt.



Aus meiner Sicht erscheint die Aktie mit einer Marktkapitalisierung von inzwischen 882 Mio. AUD aber stark rückschlagsgefährdet, zumal erste nennenswerte Umsätze aus der Mine nicht vor 2018 zu erwarten sind.

MEIN FAZIT:

Der gesamte Lithium-Sektor scheint arg überhitzt. Die beiden großen Player Albemarle (ALB) und Sociedad Quimica y Minera de Chile (SQM) machen weniger als die Hälfte ihrer Umsätze mit Lithium, sind also nur sehr bedingt für eine Lithium-Spekulation geeignet.

Die spekulativen Explorer sind aber inzwischen durch die Bank deutlich zu hoch bewertet. Insofern rate ich dazu, den Sektor momentan komplett zu meiden.

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Armin Brack
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