Kolumnen & Analysen Märkte
Bond Market Perspectives - Eurozone - 30. Juli 2010
HSH Nordbank Research - Bonds - 30.07.2010
Die Nachbearbeitung des zentralen Ereignisses der letzten Woche war erstaunlich kurz: Die Ergebnisse des Bankenstresstests wurden zur Kenntnis genommen. Sowohl Kritiker als auch Befürworter des Tests und der Veröffentlichung der Ergebnisse fühlten sich bestätigt. Positiv ist anzumerken, dass CEBS mit der Veröffentlichung der Kurzfassung der Ergebnisse die Stressszenarien offen gelegt hat, um so für größtmögliche Transparenz zu sorgen. In wie weit das Vertrauen in den Finanzsektor, das zentrale Motiv der Politik für die Veröffentlichung, nun hergestellt ist, bleibt erst einmal abzuwarten. Immerhin legten nach der Publikation der Ergebnisse die Renditedifferenzen von Peripherieanleihen zu Bunds den Rückwärtsgang ein.
Im Wochenverlauf konnte sich die Eurozone erneut von den USA abheben, denn die Nachrichten von der Konjunkturdatenfront waren wieder einmal positiv. Die Stimmungsindikatoren der Europäischen Kommission setzten den Trend fort, der bereits vom Ifo-Geschäftsklimaindex und den Vorabschätzungen der Markit Einkaufsmanagerindizes vorgegeben wurde. Die Stimmungsindizes stiegen deutlich stärker als es von den Marktteilnehmern erwartet wurde. Treibende Kräfte waren die drei größten Volkswirtschaften der Eurozone. Allerdings sieht es nicht in der gesamten Eurozone so gut aus. Durch die Sparprogramme, die insbesondere in den Peripheriestaaten implementiert worden sind, hinkt die wirtschaftliche Entwicklung dort derjenigen der Kernländer deutlich hinterher. Zusätzlich leiden diese Länder unter ihren strukturellen Schwächen, die sie im Vergleich zu den Kernländern weniger wettbewerbsfähig machen. Gerade Deutschland profitiert aufgrund der großen industriellen Basis – auch „old economy“ genannt – von dem Anziehen der weltweiten Nachfrage insbesondere aus Fernost. Inzwischen macht sich das sehr deutlich bei nachlaufenden Indikatoren wie dem Arbeitsmarkt bemerkbar. Durch die umfangreiche Kurzarbeiterregelung war er sowieso viel robuster, als es von den meisten Marktbeobachtern erwartet wurde. Im Rahmen der Berichtssaison stellen die deutschen Unternehmen bereits Einstellungen in Deutschland in Aussicht. Wermutstropfen ist hingegen, dass die Einstellungen erst einmal befristet und über Leiharbeit erfolgen sollen. Die Unternehmen bleiben also vorsichtig. Bei näherer Betrachtung des Aufschwungs ist das wenig verwunderlich. Für die USA zeichnet sich mehr und mehr ab, dass sich das Wachstum bereits in diesem Jahr deutlich verlangsamen wird, so dass als zentrale Nachfrager für den deutschen Export vor allem asiatische und vielleicht noch südamerikanische Länder bleiben.
Dadurch, dass die Wachstumsgefälle zwischen den einzelnen Euroländern in den nächsten Jahren wahrscheinlich nicht signifikant abnehmen werden, steht die EZB vor weiterhin schwierigen Zeiten. Noch ist ein Anziehen der Teuerung bspw. wegen der vergleichsweise geringen Kapazitätsauslastungen in der Eurozone insgesamt kein Thema. Für einzelne Länder kann Preisniveaustabilität durchaus zum Thema werden. In Deutschland regen sich erstmals seit Jahren die Gewerkschaften. Als Antwort auf den Druck der Basis stehen vermutlich deutlich höhere Lohnforderungen als in den vergangenen Jahren im Raum. In Anbetracht sprudelnder Gewinne möchten die Arbeitnehmer einen etwas größeren Teil vom Kuchen als in den vergangenen Jahren abhaben. Selbst die jüngsten Entwicklungen dürften die europäischen Notenbanker mit Unbehagen erfüllen, denn die deutsche und auch die französische Wirtschaft könnten eine Normalisierung der Geldpolitik, also Leitzinserhöhungen, gut gebrauchen. Das ist für die Peripherie, die sich in oder am Rande zur Rezession bewegt, sicher nicht durchsetzbar und auch nicht opportun. Vielmehr muss die EZB im Konzert mit der Politik diese Länder weiter indirekt durch den Anlauf von Staatsanleihen stützen, auch wenn die Ankaufvolumina in den letzten Wochen sukzessive abgenommen haben und die Rentenmärkte den Peripherieländern wieder einigermaßen offen stehen. Letzteres lässt sich an dem weitestgehend problemlosen Abverkauf von Anleihen und Schatzanweisungen aus Portugal, Irland, Italien, Griechenland und Spanien sowie dem Zusammenlaufen der Zinsdifferenzen zu Bunds erkennen. Eine nachhaltige Entspannung – Griechenland traut sich mit einem Bond an den Markt, er wird nicht nur bei griechischen Banken platziert – fehlt jedoch. Es ist zwar nicht sehr wahrscheinlich, dass die unterschiedlichen wirtschaftliche Zyklen in der Eurozone und die Konsequenzen für die EZB auf der Pressekonferenz nach der Sitzung des EZB-Rats am Donnerstag diskutiert werden. Die EZB muss sich aber langsam wieder auf dieses Thema einstellen. Die Pressekonferenz sollte ansonsten vergleichsweise langweilig sein, denn die Konjunktur entwickelt sich wie von der EZB erwartet. Informationen zu den haircuts für repofähiges Material ab 2011 sind ebenfalls veröffentlicht. Vielleicht gibt es ein paar Nachfragen, welche Auswirkungen die EZB auf die Liquiditätssituation der Banken erwartet. Das ist aber eher ein Thema für eine ausführliche Analyse im nächsten EZB Monatsbericht.
Neben der EZB tagt die Bank of England. Mit Überraschungen wird sie ebenfalls nicht aufwarten können. Die base rate bleibt dort, wo sie ist. Eine Ausdehnung des Ankaufprogramms für Anleihen ist ebenfalls nicht zu erwarten. Die britische Wirtschaft zeigt Zeichen einer Belebung. Der Aufwärtstrend bleibt fragil. Die Notenbanker werden in Anbetracht der aktuellen Inflationsentwicklung darauf verweisen, dass sie im Laufe der nächsten Monate geringere Steigerungsrate erwarten.
Die im Verlauf der nächsten Woche anstehenden Konjunkturdaten sollten den Aufwärtstrend der Wirtschaft bestätigen. Die endgültigen Werte der Markit Einkaufsmanagerindizes für den Juli werden keine negativen Überraschungen bringen. Die deutschen Auftragseingänge sollten ebenso überzeugend sein wie die Industrieproduktion. Die wenigen anstehenden Goviemissionen, u. a. wieder aus Peripherieländern, werden den Markt vor keine größeren Probleme stellen. Insgesamt stehen die Zeichen für Bunds also auf einem Halten des aktuellen Renditeniveaus.
Hinweis
Der Marktkommentar ist ein Auszug aus dem Bond Market Perspectives-Bericht der HSH Nordbank. Den vollständigen Bericht und weitere Publikationen erhalten Sie auf HSH-Nordbank.de
Aktuelle Kolumnen & Analysen

The Energy Report - Demand Jam
Phil Flynn I PFGBEST - Commodities - 07.09.2010
Will disappointing holiday demand be the story or will a new wave of economic optimism generated by last week’s better than expected jobs report make the headlines? Companies did add more jobs than expected as non-farm private payrolls actually rose by 67,000. Forget that Chicken Little maybe the sky isn’t falling after all but with jobs still far from a pace that will get us back to normal I don’t think that there is reason to celebrate. I think the market may slip into a negative mode. Did the Labor Day holiday bail us out on the demand side? ... mehr

Gewinnmitnahmen dominieren deutschen Aktienhandel
X-Trade Brokers - Indizes - 07.09.2010
Am deutschen Aktienmarkt ist die Stimmung zur Stunde weiter etwas gedrückt. Insgesamt neigen die Anleger in einem relativen ruhigen Marktumfeld eher zu Gewinnmitnahmen, nachdem der Aktienmarkt in den vergangenen Tagen signifikant zulegen konnte. Frische Impulse werden von dem Handelsstart an der Wall Street erwartet, welche nach dem verlängerten Wochenende in den USA erst heute in den Handel startet. Rund 40 Minuten vor Handelsstart deutet der S&P Future, welcher um rund 0,6 Prozent niedriger notiert, auf eine etwas schwächere Eröffnung hin. Sollte sich die schwache Tendenz verstärken, so sehen viele Pessimisten den Aufwärtstrend der vergangenen Tage bereits wieder in Gefahr. ... mehr

ETFs: Im Zweifel für Bluechips
Börse Frankfurt - Indizes - 07.09.2010
Marktbericht vom Handel mit Indexfonds
7. September 2010. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Mit den seit dem vergangenen Mittwoch nach oben kletternden Aktienkursen steigt auch das Interesse an Indexfonds wieder. Die Umsätze zogen zuletzt an, wie Händler einhellig berichten. Von einer "sehr guten Woche" spricht etwa Eric Wiegand von der Deutschen Bank. "Die Volumina haben sich sehr erfreulich entwickelt", erklärt auch Andreas Bartels von der Commerzbank: "Wir hoffen, dass die Sommerflaute überstanden ist." ... mehr

Öl: Neues Kursziel - Nach unten korrigiert
M. Kiewitz I WH SelfInvest - Commodities - 07.09.2010
Der Ölmarkt sollte in dieser Woche seitwärts bis höher tendieren. Der Ölpreis könnte im günstigsten Fall sogar bis $77.00/bbl steigen.
Ein wenig Support erwarten wir uns vom Fortsetzen des Nachhalls der guten US-Arbeitsmarktzahlen vom vergangenen Freitag. Dieser sollte einhergehen mit einem potentiel weiter steigenden Aktienmarkt.
Weiterhin glauben wir allerdings, dass es Ölpreise schwer haben werden, über die Marke von $77.00/bbl zu steigen. ... mehr

Euwax-Trends am Vormittag: DAX tendiert etwas leichter
Börse Stuttgart - Indizes - 07.09.2010
Nachdem der NIKKEI-225-Index in Japan heute nach Gewinnmitnahmen bei 9.226 Punkten mit 0,85 Prozent im Minus schloss, tendierte auch der DAX am Vormittag leichter. Das deutsche Börsenbarometer lag bei 6.105 Zählern mit 0,8 Prozent im Minus.
In den USA wird nach dem gestrigen Feiertag „Labor Day“ heute wieder gehandelt. Nun warten die Marktteilnehmer auf den Auftakt der Börsensitzung dort.
Die Mehrheit der kurzfristig orientierten Marktteilnehmer setzt derzeit auf steigende DAX-Notierungen. Der Euwax Sentiment Index lag am Vormittag bei plus 25 Punkten. ... mehr

Kanadischer „Loonie“ weiter im Aufwind!
Dr. Detlef Rettinger - Forex - 07.09.2010
Während die Notenbanken in Australien, Japan und Großbritannien bei ihren Sitzungen in dieser Woche voraussichtlich nicht an der Zinsschraube drehen, könnte die Bank of Canada am Mittwoch den Leitzins von 0,75 auf 1,00 Prozent anheben. Kanada profitiert vom Rohstoffboom – und das nicht zu knapp. Die Wirtschaft hat sich gut erholt und die Bankenbranche blieb von der Finanzkrise weitgehend unberührt. Allerdings ist Kanada stark vom großen Nachbarn USA abhängig und dort schwächelt die Wirtschaft ja weiterhin. ... mehr

Eine Herbstrallye steht vor der Tür! (Gründe 4 und 5)
Florian Schulz - Indizes - 07.09.2010
In meiner gestrigen Kolumne habe ich Ihnen gezeigt, dass aktuell an der Börse so viel Pessimismus herrscht wie selten zuvor und wie stark die Ergebnisse der Unternehmen in den letzten Quartalen die Ergebnisse der Analysten schlugen. Zudem erklärte ich Ihnen warum ich aktuell soviel Übernahme- und Aktienrückkauffantasie sehe wie selten zuvor.
Heute werde ich Ihnen zwei weitere Gründe nennen, die für eine Herbstrallye sprechen. ... mehr

Global Market Brief Sept 7th Mid-Day GMT: Stocks, Commodities, Forex -EU Crisis Back Again
Cliff Wachtel I AVA FX - Forex - 07.09.2010
Overview: A classic EU sovereign debt/banking crisis fear inspired risk aversion day, slamming risk assets, especially the EUR. Sparked by a WSJ report that July bank stress tests understated PIIGS bond exposure. This is old new, but comes at a sensitive time as PIIGS seek to sell $80 bln in bonds and their bond and CDS rates are already at/near May crisis levels. Bond markets were already nervous, and now may make new bond sales more expensive yet. ... mehr

Verbesserte Marktstimmung währt nicht lange: Als sicher geltende Anlagewährungen - USD, CHF - profitieren
HSH Nordbank Research - Forex - 07.09.2010
Lange hat die verbesserte Marktstimmung aufgrund des freundlicheren USArbeitsmarkberichtes, die EUR/USD bis auf Niveaus von über 1,29 getrieben hat, nicht angehalten. Gestern war schon wieder Schluss damit, und vermeintlich sichere Anlagewährungen wie der USD oder der CHF konnten profitieren. Diese Tendenz hat sich heute Morgen weiter fortgesetzt. EUR/USD notiert knapp unter 1,28 und EUR/CHF ist erneut unter die Marke von 1,30 gefallen. ... mehr

Doppelter Antrieb für Australischen Dollar
Torsten Gellert I FXCM - Forex - 07.09.2010
„Der australische Dollar hat derzeit doppelten Rückenwind. Die Chancen stehen gut, dass das Währungspaar AUD/USD in absehbarer Zeit an das Niveau anknüpfen kann, das es vor der Weltwirtschaftskrise hatte“, so eine Einschätzung von Torsten Gellert, Managing Director von FXCM Deutschland. „Einerseits profitiert die Währung von der guten Wirtschaftslage in Australien. Jetzt kommt hinzu, dass die Risikoneigung im Markt zurückgeht. Das schwächt den US-Dollar und beflügelt den Wechselkurs.“ ... mehr




