Kolumnen & Analysen

Halvers Woche: Zeigt Inflation wieder ihre hässliche Fratze?
Börse Frankfurt - Indizes - 23.02.2018

23. Februar 2018. MÜNCHEN (Baader Bank). Die Happy Hour am Kapitalmarkt - so die Angst vieler Anleger - scheint vorbei zu sein, dafür aber sein Untergang nah. Denn die Inflation werde nach einer gefühlten Ewigkeit wieder sprießen wie Unkraut im Frühling. Und dann würde das Ungemach beginnen. Denn steigt die Teuerung, steigen auch die Zinsen. Schließlich wollen Anleger einen Inflationsausgleich haben. Vor allem aber dürften die Notenbanker erstmals seit vielen Jahren wieder die Rolle des Unkrautvernichters annehmen und die Leitzinsen markant erhöhen. Ein Vorgeschmack, was dann auf Aktien durch Trimmer, Hacke und Gartenschere zukommt, konnte bereits Ende Januar/Anfang Februar beobachtet werden. Aus wildwüchsigen Streuobstwiesen wird wieder akkurat geschnittener Wembley-Rasen.

Alles spricht für steigende Inflation



Vor allem in den USA. Sie befinden sich im neunten Jahr des Wirtschaftsaufschwungs. Und wenn dort jetzt die Konjunkturblüten auch noch mit Steuersenkungen gewässert und der Ami-Export mit softer Dollar-Politik gedüngt werden, treibt das Inflation normalerweise wie ein Abführmittel. Durch die Trumpsche Infrastrukturoffensive wird der amerikanische Wirtschaftsboden sogar noch fruchtbarer. Tatsächlich scheint Amerikas Infrastruktur teilweise noch aus den Zeiten von Buffalo Bill zu stammen. Wenn man die alten Brücken im Mittleren Westen überquert, lernt man wieder zu beten. Wird Amerika jedoch zukünftig über brandneue Straßen-, Schienen-, Energie- und Telekom-Netze von der Steinzeit in die Moderne geholt, dann ist Inflation wegen konjunktureller Überhitzung doch so sicher wie Ketchup im amerikanischen Diner, oder?

Viele Geldtheoretiker haben nie daran gezweifelt, dass billiges und üppiges Notenbankgeld früher oder später zu höherer Inflation führt. Schließlich haben auch die Niederschläge im Tropischen Regenwald ihre Wirkung nie verfehlt.

Und selbst bei der Inflation müsste irgendwann der Dornröschenschlaf vorbei sein, zumal dann, wenn sie gleich von mehreren preistreibenden Prinzen wachgeküsst wird.

So ist an den Börsen die Angst vor Inflation auch klar zu spüren: Sie sei gekommen, um zu bleiben, nicht wie die Schwiegermutter, die nach ihrem Sonntagsbesuch abends wieder geht.

Globalisierung und Gewerkschaften werden keine Freunde mehr



Aber welche Dynamik kann Inflation überhaupt annehmen? Taugt der Lohnkostendruck hierbei als Kunstdünger? Wohl kaum! Ist Land X zu teuer, geht das international hochmobile Kapital ins Land Y. So werden Arbeitsplätze in den alten Industrieländern immer mehr durch Jobs in Schwellenländern, aber auch in Amerika ersetzt. Leider haben dort Arbeitnehmervertreter in puncto Lohnerhöhungen nur so viel Einfluss wie ein Veganer auf der Jahrestagung des Deutschen Fleischer-Verbands.

Die Globalisierung lässt die Verhandlungsmacht von Gewerkschaften zerrinnen wie Sand zwischen den Händen. Um den Beschäftigungsstand in der alten Welt zumindest zu stabilisieren, stimmen sie mittlerweile sogar dem Abbau von Kündigungsschutz und Flexibilisierungen zu. Gewerkschaftsboss ist kein Traumjob mehr.

Man kann nach großer lohnkostenseitiger Inflation suchen, finden wird man sie nicht. Sowieso, die stark gestiegene Produktivität in der Industrie macht aus jedem Lohnkostenproblem ein -problemchen.

Digitalisierung ist ein besonderer Inflationskiller



Sozialpolitisch ist es harter Tobak: Der Mensch wird immer überflüssiger. Einfache Tätigkeiten in Industrie und Büro werden zunehmend durch künstliche Intelligenz ersetzt. Denn Maschinen verlangen keine Gehaltserhöhung und Urlaub, pochen nie auf geregelte Arbeitszeiten, streiken nicht und werden auch nie krank, reparieren sich selbst und machen im Zweifelsfall sogar weniger Fehler als das "Risiko" Mensch. Digitalisierung lässt die Produktivität aufgehen wie die Sonne am Morgen und die Inflation untergehen wie der Mond am Abend. Vor dieser Revolution und damit verbunden einem dramatischen Wettbewerbsdruck kann sich ein ernstzunehmendes Industrieland so wenig drücken wie der Zahnschmerzpatient vor dem Dentisten.

Es ist ein Hammer, wenn der Digitalverband Bitkom prognostiziert, dass in Deutschland bereits in den nächsten fünf Jahren über drei Millionen Arbeitsplätze wegfallen. Wer wird diesen Abbauprozess durch hohe Lohnsteigerungen noch beschleunigen wollen? Und diese neue unschöne Arbeitswelt erklärt ebenso, warum aktuell geringe Arbeitslosenraten in Amerika und Deutschland nicht wie früher üblich zu lohnkostenseitiger Inflation führen.

Heutzutage geht Wirtschaftswachstum auch mit weniger Inflation



Globalisierung und Digitalisierung sind ein Dream Team in der Bekämpfung der Inflation. Nicht zuletzt hält das amerikanische Schieferöl den Opec-Öl-seitigen Preisdruck zurück wie Pestizide das Ungeziefer.

Vor diesem Hintergrund ist in den USA und Deutschland ein Verharren der Inflation im Seitwärtstrend mit der oberen Begrenzung von 2 Prozent zu erwarten. Und in der gesamten Eurozone wird sie noch lange unter dieser Inflationsmarke liegen, ab der die EZB in Wallung gerät.

Ja, die US-Notenbank wird in diesem Jahr drei Zinserhöhungen durchführen, die allerdings längst eingepreist sind. Ihren Zinserhöhungszyklus dürfte die Fed wegen Inflationsarmut bei drei Prozent beenden. Das ist der "schwachmatigste" aller Zeiten.

Wo nur ein bisschen Inflation auftritt, kann sich auch schnell wieder ein bisschen Deflation zeigen



Ohnehin trägt die Fed eine Angst mit sich herum: Niemand will mit wirtschaftsseptischen Zinserhöhungen schlafende Deflations-Hunde wecken. Es hat doch bei keinem US-Notenbanker in der Kinderzeit die Schaukel zu nah an der Wand gestanden.

Ok, die EZB wird Ende 2018 ihr Anleihekaufprogramm einstellen. Doch den dann erreichten Liquiditätsrekord wird sie verteidigen wie der Hund seinen Knochen. Und der Einstieg in den Ausstieg der EZB aus ihrer lockeren Zinspolitik wird ab Mitte 2019 ähnlich langsam geschehen wie die Verschiebung der Kontinentalplatten.
"Bei keinem US-Notenbanker hat in der Kinderzeit die Schaukel zu nah an der Wand gestanden"

Der jahresanfängliche Zinsschock wegen der plötzlichen Wiedergeburt von Inflation war sicherlich groß. Aber nachdem man noch einmal darüber geschlafen hat, wird das Inflationsthema doch deutlich weniger heiß gegessen als es gekocht wurde.

Stark steigende Inflation, damit deutlich steigende (Leit-)Zinsen und schließlich einbrechende Aktienkurse?

Nein! Wo kein Inflations-Richter, da kein Notenbank-Henker!

23. Februar 2018, © Baader Bank

Über den Autor
Robert Halver ist Leiter der Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank und Halvers Woche Bestandteil des wöchentlichen Kapitalmarktmonitors.

Dieser Artikel gibt die Meinung des Autors wieder, nicht die der Redaktion von boerse-frankfurt.de. Sein Inhalt ist die alleinige Verantwortung des Autors.



Disclaimer: Die hierin enthaltenen Angaben und Mitteilungen sind ausschließlich zur Information bestimmt. Keine der hierin enthaltenen Informationen begründet ein Angebot zum Verkauf oder die Werbung von Angeboten zum Kauf eines Terminkontraktes, eines Wertpapiers oder einer Option, die zum Handel an der Eurex Deutschland oder der FWB® Frankfurter Wertpapierbörse zugelassen sind oder eines sonstigen Terminkontraktes, einer Emission oder eines hierin erläuterten Produktes.
Die Deutsche Börse AG, Eurex Deutschland, Eurex Frankfurt AG, Eurex Clearing AG, FWB Frankfurter Wertpapierbörse und Börse Frankfurt Zertifikate AG haften nicht dafür, dass die folgenden Informationen vollständig oder richtig sind. Infolgedessen sollte sich niemand auf die hierin enthaltenen Informationen verlassen. Die Deutsche Börse AG, Eurex Deutschland, Eurex Frankfurt AG, Eurex Clearing AG, FWB Frankfurter Wertpapierbörse und Börse Frankfurt Zertifikate AG haften nicht für Schäden aufgrund von Handlungen, die ausgehend von den auf dieser oder einer der nachfolgenden Seiten enthaltenen Informationen vorgenommen werden.
Zum Handel an der FWB zugelassene Wertpapiere sowie Eurex-Derivate (mit Ausnahme des DAX®Future-, STOXX® 50 Future-, EURO STOXX® 50 Future-, STOXX 600 Banking Sector Future-, EURO STOXX Banking Sector Future- und Global Titans Future-Kontrakts und Eurex Zinssatz Derivaten) stehen derzeit nicht zum Angebot, Verkauf oder Handel in den Vereinigten Staaten zur Verfügung noch dürfen Bürger, die den US-amerikanischen Steuergesetzen unterliegen, diese Wertpapiere anbieten, verkaufen oder handeln.
Die in XTF Exchange Traded Funds® gelisteten Fondsanteile sind zum Handel an der FWB Frankfurter Wertpapierbörse zugelassen. Nutzer dieses Informationsangebotes mit Wohnsitz außerhalb von Deutschland weisen wir darauf hin, dass der Vertrieb der in XTF Exchange Traded Funds gelisteten Fondsanteile in diesem Land möglicherweise nicht zulässig ist. Die Verwendung der Informationen geschieht auf eigene Verantwortung des Nutzers.
Verweise und Links: Bei direkten oder indirekten Verweisen auf fremde Internetseiten ("Links"), die außerhalb des Verantwortungsbereiches des Autors liegen, würde eine Haftungsverpflichtung ausschließlich in dem Fall in Kraft treten, in dem der Autor von den Inhalten Kenntnis hat und es ihm technisch möglich und zumutbar wäre, die Nutzung im Falle rechtswidriger Inhalte zu verhindern. Der Autor erklärt daher ausdrücklich, dass zum Zeitpunkt der Linksetzung keine illegalen Inhalte auf der verlinkten Seiten erkennbar waren. Der Autor hat keinerlei Einfluss auf die aktuelle und zukünftige Gestaltung und auf die Inhalte der gelinkten/verknüpften Seiten. Deshalb distanziert er sich hiermit ausdrücklich von allen Inhalten aller gelinkten /verknüpften Seiten, die nach der Linksetzung verändert wurden.
Diese Feststellung gilt für alle innerhalb des eigenen Internetangebotes gesetzten Links und Verweise sowie für Fremdeinträge in vom Autor eingerichteten Mailinglisten. Für illegale, fehlerhafte oder unvollständige Inhalte und insbesondere für Schäden, die aus der Nutzung oder Nichtnutzung solcherart dargebotener Informationen entstehen, haftet allein der Anbieter der Seite, auf welche verwiesen wurde, nicht derjenige, der über Links auf die jeweilige Veröffentlichung lediglich verweist.

Aktuelle Kolumnen & Analysen

Charttechnischer Ausblick - DAX-Future (Kontrakt 06-18) - 14. KW 2018
LYNX Broker - Indizes - 03.04.2018
Der DAX-Future (FDAX) konnte in der letzten Handelswoche die aktuellen Jahrestiefs nur für kurze Zeit geringfügig ausbauen und tendierte danach, wie angenommen, in Richtung 12.000 und folgend knapp über den Widerstand von 12.100 Punkten. ... mehr

ETFs: Suche nach Alternativen
Börse Frankfurt - Indizes - 03.04.2018
3. April 2018. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Der Start in den April ist an der Börse gründlich misslungen: Vor Ostern war es noch nach oben gegangen, so kletterte der DAX am Gründonnerstag auf 12.096,73 Punkte. Am heutigen Dienstag sieht es vor dem Hintergrund schwacher US-Börsen aber tiefrot aus, am Mittag notiert der DAX bei nur 11.962 Zählern. Der sich verschärfende Handelsstreit zwischen den USA und China belastet: ... mehr

Euwax Trends: Nervosität nach Ostern: Verkaufsdruck bei Chip-Werten - Handelsstreit belastet den Aktienmarkt
Börse Stuttgart - Marktberichte - 03.04.2018
Die Kurse am deutschen Aktienmarkt rutschen nach Ostern erneut ab. So notiert der DAX aktuell bei 12.022 Punkten mit 0,6 Prozent im Minus. Das vorläufige Tagestief wurde am Vormittag bei 11.913 Zählern festgestellt. Nun ist also erneut die Marke von 12.000 Punkten, die der Leitindex erst am vergangenen Donnerstag zurückerobert hatte, zeitweise nach unten durchbrochen worden. ... mehr

Charttechnischer Ausblick - S&P-Future (Kontrakt 06-18) - 14. KW 2018
LYNX Broker - Indizes - 03.04.2018
Der S&P-Future zeigte in der vergangenen Handelswoche eine eher seitwärts tendierende Bewegung, mit der Marke von rund 2.660,00 Punkten als obere und dem Unterstützungsbereich 2.590,00 als untere Grenze. Geplante Verkäufe an Widerständen hielten somit recht gute Trade-Szenarien bereit. ... mehr

Charttechnischer Ausblick - Bund-Future (Kontrakt 06-18) - 14. KW 2018
LYNX Broker - Bonds - 03.04.2018
Ohne nennenswerte Anzeichen schob sich der Bund-Future in den vergangenen Handelstagen weiter nach oben und erreichte am Mittwoch das Wochenziel von knapp 159,75. Widerstände in den aktuellen Kursbereichen stellten nur geringfügige Hindernisse dar und konnten teilweise sauber durchstoßen werden. ... mehr

Charttechnischer Ausblick - EUR/USD - 14. KW 2018
LYNX Broker - Forex - 03.04.2018
Mit merklichem Momentum konnte sich der EUR/USD in der vergangenen Handelswoche über die Hochs der vorletzten Handelswoche schieben, was zu interessanten Kaufchancen führte. Mit dem Erreichen des Hochs von 1,2475 war der Aufwärtsmove jedoch wieder vorbei und der Wert fiel in die Schiebezone zwischen 1,2400 und 1,2250 zurück. ... mehr

Tagesausblick Aktien: DAX wieder unter Druck
Helaba Floor Research - Indizes - 03.04.2018
Aktienmarkt Am Donnerstag ging der DAX bei 12.096,72 Zählern aus dem Handel. Dies entsprach einem Plus in Höhe von 1,3 Prozent. Anleger nutzen das zuvor reduzierte Kursniveau zum Einstieg, wenngleich auch das Quartalsende (Stichwort: “window dressing“) eine wesentliche Rolle gespielt haben dürfte. ... mehr

Henkel – den DAX langfristig geschlagen
LYNX Broker - Indizes - 03.04.2018
Fundamentalbetrachtung der Henkel AG Die Die Henkel AG & Co. KGaA verfügt den eigenen Angaben zufolge weltweit über ein diversifiziertes Portfolio mit starken Marken, Innovationen und Technologien in seinen drei Unternehmensbereichen. Im stärksten Konzernsegment Adhesive Technologies – dem Klebstoffbereich – mit einem Umsatzanteil von 47 Prozent gilt Henkel als globaler Marktführer. ... mehr

Bund Future - Erwartete Trading Range: 158.57-160.07
Helaba Floor Research - Bonds - 03.04.2018
An den internationalen Finanzmärkten kehrte vorösterliche Ruhe ein. Nach einem von großer Verunsicherung und Nervosität geprägten Handelsverlauf standen im Handelsstreit der USA mit China die Zeichen auf Entspannung. Während der Ausverkauf an den Aktienbörsen zum Stillstand kam, legten auch festverzinsliche Papiere eine Verschnaufpause ein. ... mehr

Tagesausblick Renten/Devisen: Stimmungsindikatoren im Fokus
Helaba Floor Research - Forex - 03.04.2018
statistDie verkürzte Handelswoche startet mit den Einkaufsmanagerindizes des Verarbeitenden Gewerbes in der Eurozone. Vorabschätzungen in Deutschland und Frankreich lassen auf nachlassende Stimmungsumfragen schließen. Auch der schwelende Handelskonflikt mit den USA könnte negativen Einfluss auf die Stimmung der Einkaufsmanager ausüben. ... mehr

Buchtipp

Faszination Devisen
Die Gewinn- möglichkeiten mit Devisen sind enorm. Nie zuvor war es für den Privatanleger einfacher und lukrativer, mit den Kursschwankungen und Trends von Wechselkursen eigenständig und ohne hohe Gebühren Geld zu verdienen. ...weiter

Broker

Anzeige eToro - Trading-Verluste können Ihre Einlagen übersteigen. Beachten Sie die Risikoaufklärung auf der Seite des Brokers!

Sponsor

Anzeigen

<