Kolumnen & Analysen Devisen

Devisen EUR/PLN: Ein Skandal schwächt den Zloty – aber nicht auf Dauer!
Dr. Detlef Rettinger - Forex - 05.07.2014

Polen wird derzeit von einem politischen Skandal erschüttert. Basis sind illegal mitgeschnittene Telefongespräche von Regierungsmitgliedern. In einem davon soll der Notenbankchef Marek Belka im letzten Jahr der Regierung Konjunkturhilfen angeboten haben, wenn im Gegenzug der Finanzminister entlassen wird. Notenbank und Regierung bestreiten natürlich diese Interpretation des Gesprächs. Im Moment ist noch nicht klar, wie sich der Skandal weiterentwickelt, aber der Glauben an die Unabhängigkeit der Notenbank ist jedenfalls beschädigt. Das ist schlecht für eine Währung, denn das öffnet in den Augen der Finanzmärkte Tür und Tor für eine nicht-stabilitätsorientierte Politik. Der Zloty kam daher auch prompt unter Verkaufsdruck.

Die polnische Notenbank könnte den Leitzins senken

Das war allerdings eine kurzfristige Marktreaktion, inzwischen hat sich der Zloty wieder stabilisiert – politische Märkte haben eben kurze Beine. Entscheidend für die weitere Entwicklung des Wechselkurses ist vielmehr die Frage, ob Polen die Leitzinsen im Herbst senken muss oder nicht. Einige spekulieren allerdings, dass der Skandal auch diese Entscheidung beeinflussen könnte. Im Bestreben, Glaubwürdigkeit zurück zu erlangen, könnte die Notenbank NBP auf eine vielleicht notwendige Zinssenkung verzichten. An den Märkten setzt man darauf allerdings derzeit nicht, im Gegenteil: Die Kurse am Terminmarkt zeigen einen Anstieg der Wahrscheinlichkeit dafür, dass in diesem Jahr eine Zinssenkung erfolgt. Tatsächlich hat Belka selbst festgestellt, dass die Inflationsrate in negatives Territorium fallen könnte. Zudem hat die Zinssenkung der EZB den Druck auf Polens Notenbanker erhöht nachzuziehen, ansonsten könnte eine unerwünschte Aufwertung des Zlotys drohen. Bisher schätzt die Notenbank diese Gefahr aber offenbar als gering ein, denn die Wahrscheinlichkeit für eine Zinssenkung im September wurde bei der NBP-Sitzung in der letzten Woche als gering eingeschätzt.

Fazit

Der Skandal betrifft – wenn überhaupt – den Notenbankchef Belka allein. Über die Geldpolitik entscheidet aber ein ganzes Gremium. Ob es im Herbst zu einer Zinssenkung kommt, wird daher in erster Linie von der Entwicklung der Inflationsrate abhängen. Doch selbst bei einer möglichen Leitzinssenkung um 25 Basispunkte auf 2,25 Prozent bleibt der Zloty eine attraktive Anlagewährung.

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