Kolumnen & Analysen Devisen

Marktstimmung: Aufhellung trotz geringer Kursausschläge
Börse Frankfurt - Indizes - 02.07.2014

Stimmungsindikator zum DAX

2. Juli 2014. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Wenn man die vergangenen fünf Handelstage Revue passieren lässt, könnte man ganz leicht zum Schluss kommen, dass alle Neuigkeiten, die dem DAX hätten schaden können, spurlos an ihm vorübergezogen sind. Stattdessen wurde der verhältnismäßig geringe Rücksetzer von gerade einmal 1,5 Prozent bei den deutschen Standardwerten von den institutionellen Anlegern in der vergangenen Woche zu neuerlichen Käufen genutzt. Anders ausgedrückt: Auch wenn sich das Börsenbarometer im Wochenvergleich nur geringfügig verfestigt hat, ist der Optimismus der Anleger – wie der Börse Frankfurt Sentiment-Index von nunmehr +13 deutlich zeigt – wieder zurückgekehrt. Dabei haben vor allen Dingen die Pessimisten, die noch vor Wochenfrist aufgetaucht waren, ihre Meinung wieder zum Positiven gewendet und möglicherweise sogar kleine Gewinne eingefahren.

Diese doch deutliche Stimmungsveränderung bei gleichzeitig relativ geringen Kursausschlägen ist nicht nur deshalb verwunderlich, weil geopolitische Kursrisiken von den Marktteilnehmern offenbar nur am Rande wahrgenommen werden. So haben anscheinend weder die nicht verlängerte Waffenruhe in der Ukraine noch die dramatischen Entwicklungen im Mittleren Osten die Händler von neuerlichen Käufen abschrecken können. Zumal man angesichts der bevorstehenden Ereignisse am morgigen Donnerstag etwas mehr Zurückhaltung der Akteure hätte erwarten können. Denn in den vergangenen Monaten hatten so genannte Event-Risiken wie eine Sitzung der Europäischen Zentralbank oder ein zur Veröffentlichung anstehender US-Arbeitsmarktbericht – dieses Mal sogar am selben Tag – normalerweise für eine gewisse Risikoaversion gesorgt.

Letztere offenbart sich allenfalls im relativ hohen Anteil neutral gestimmter Investoren, die mit einem Anteil 29 Prozent aller Befragten auf dem bisherigen Jahreshoch rangieren. Allerdings konnten wir bereits in der Vorwoche einen ähnlich hohen Stand bei dieser Gruppe verbuchen, so dass dieses Argument nicht wirklich schlagkräftig ist.

Auch Private zeigen sich risikofreudig

Auch bei den Privatanlegern lässt sich mit einem Börse Frankfurt Sentiment-Index von nunmehr +16 eine Rückkehr des Optimismus feststellen. Anscheinend speist er sich zu zwei Dritteln aus früheren Pessimisten und zu einem Drittel aus vormals „neutralen“ Investoren. Damit zeichnet sich auch hier die Tendenz ab, dass manche Anleger etwaige Risikoerwägungen angesichts eines günstigen Kurseinstiegs vernachlässigt haben.

Trotz des wieder aufgeflammten Optimismus sowohl bei den institutionellen wie auch den privaten Anlegern kann dennoch nicht von einer Börseneuphorie gesprochen werden. Zum einen liegen die Werte beider Gruppen nur ganz leicht über dem Jahresmittel, dem wir als Referenzpunkt eine größere Bedeutung als der neutralen Null-Linie beimessen. Zum anderen wurden mit Beginn des zweiten Börsenhalbjahres bzw. des Beginns eines neuen Geschäftsjahres mancherorts Gewinne und Verluste ausgekehrt, so dass die Sentiment-Uhren gewissermaßen zurück auf null gestellt wurden. Aus dieser relativ neutralen Position heraus sind von den Befragten unseres Panels keine allzu großen kurstreibenden Aktivitäten zu erwarten. Vielmehr bleibt der DAX hauptsächlich Spielball der langfristigen Kapitalströme, von denen wir uns nach wie vor einen positiven Effekt versprechen.

von Joachim Goldberg, Goldberg & Goldberg für boerse-frankfurt.de
© 2. Juli 2014

[1] Der Börse Frankfurt Sentiment-Index bewegt sich zwischen -100 (totaler Pessimismus) und +100 (totaler Optimismus), der Übergang von positiven in negative Werte markiert die neutrale Linie. Die Werte des früheren Cognitrend Bull/Bear-Index sind auf die neue Skalierung umgerechnet worden.

Erhebungsregeln für Stimmungsindikatoren
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