Kolumnen & Analysen Devisen

Renten: EZB entspannt – Anleger angespannt
Helaba Floor Research - Bonds - 29.06.2014

Während sich die EZB vorerst zurücklehnen kann, bedeuten rekordniedrige Zinsen im Euroraum erhöhten Stress für die Anleger. Nach einem ertragsstarken ersten Halbjahr drohen im Jahresverlauf vor allem aus den USA negative Vorgaben. Aber auch der spürbar nachlassende Konsolidierungswille in den Krisenländern spricht gegen eine Fortsetzung der Rentenhausse.

EZB: Jetzt ist Geduld gefragt

Wenn in der kommenden Woche der EZB-Rat zusammentritt, dürfte es wesentlich entspannter zugehen als vor einem Monat. Damals waren die Notenbanker unter Zugzwang und musste liefern. Nun scheint weitgehend Ruhe einzukehren, zumal das Maßnahmenpaket erst noch seine Wirkung auf die Realwirtschaft entfalten muss: Mit einem negativen Einlagenzins wurde Neuland betreten. Die Details des ABS-Ankaufprogramms stehen noch aus. Die erhofften Effekte an der Währungsfront halten sich bislang in Grenzen. Der Euro-Außenwert ist seit Anfang Juni lediglich um etwa 1 % gesunken. In Zeiten, in denen alle Industrieländer eine möglichst schwache Währung präferieren, ist eine exportfördernde sowie „inflationsstiftende“ Verbilligung des Euro offenbar nicht leicht durchzusetzen. Die Überlegungen zu einem breiten Ankaufprogramm von Anleihen werden daher vermutlich auch bei der EZB-Pressekonferenz ein Thema sein.

Hausse bei Renten

Deutlicher fielen hingegen die Effekte bei Renten aus. Die Rendite 10-jähriger Bunds ist seit Anfang Juni von 1,4 % auf 1,25 % gefallen, was Kursgewinnen von rund 1,5 % entsprach. Auf dem extrem niedrigen Renditeniveau besteht eine hohe Ertragssensitivität. Während konservative Anleger sich derzeit verzweifelt nach Rendite umsehen, dürften immer mehr spekulative Investoren auf den Plan gerufen werden. Damit steigen aber auch die Schwankungsanfälligkeit und die Gefahr von Übertreibungen. Durch die neue Liquiditätsspritze aus dem Euroraum wird das globale Angebot an Kapital noch mehr ausgeweitet. Mit dem Einsatz eines negativen Einlagenzinses werden zudem die Banken hierzulande gezwungen, sich nach anderen „Investments“ umzuschauen. Da gleichzeitig der durchschnittliche Leitzins in den Industrieländern mit der EZB-Zinssenkung auf ein historisches Tief gesunken ist, wächst weltweit der Anlagenotstand. Damit verbunden sind wachsende Risiken von Fehlallokationen.

Starkes 1. Halbjahr, Risiken im 2. Halbjahr

Die Halbjahresbilanz bei Renten fällt angesichts des überraschenden Teuerungsrückgangs, unerwarteter geopolitischer Krisen und des reduzierten Leitzinses entgegen den allgemeinen Prognosen sehr positiv aus. Der Ertragsindex fünfjähriger deutscher Staatsanleihen stieg um über 3,5 % an. Zehnjährige Bunds erzielten sogar einen Zuwachs von über 8 %. Dass sich diese Performance im zweiten Halbjahr wiederholt, ist jedoch nicht zu erwarten. Impulse werden mittelfristig vor allem aus den USA kommen, wobei eher mit einem negativen Einfluss zu rechnen ist. Aber auch der spürbar nachlassende Konsolidierungswille in den Krisenländern spricht mittelfristig für eine steilere Zinsstruktur bei deutschen Renten.

Helaba Floor Research
www.helaba.de

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