Kolumnen & Analysen Devisen

Auslandsaktien: Gefragte Ölkonzerne
Börse Frankfurt - Indizes - 26.06.2014

Marktbericht vom Handel mit internationalen Werten

26. Juni 2014. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Die Kämpfe im Irak, dem zweitgrößten Ölproduzenten der Opec, haben den Ölpreis in die Höhe getrieben: Nachdem sich die Notierungen für ein Barrel der Nordseesorte Brent seit Herbst vergangenen Jahres seitwärts bewegt hatten, kletterte der Preis vergangene Woche in der Spitze auf über 115 US-Dollar – ein Neunmonatshoch.

Davon profitieren auch Aktien der Öl- und Gaskonzerne. So ist der Stoxx Europe 600 Oil & Gas-Index, der für 32 europäische Unternehmen aus der Branche steht, seit Jahresanfang um 11,44 Prozent gestiegen. Zum Vergleich: Der marktbreiten Stoxx Europe 600 hat nur 4,3 Prozent zugelegt.

Royal Durch Shell: Plus von 14,5 Prozent

Deutlich nach oben ging es zum Beispiel für die Aktie von Royal Dutch Shell (WKN A0D94M), wie Michael Arras von Close Brothers Seydler feststellt. Der Dividendentitel kommt an der Börse Frankfurt allein in den vergangenen drei Monate auf ein Plus von 14,5 Prozent. „Neben der allgemeinen Branchenentwicklung liegt das auch am umfangreichen Aktienrückkaufprogramm“, bemerkt der Händler.

Er sieht noch weiteres Potenzial: „Die geplante Konzentration auf das Fördergeschäft dürfte dem Konzern zugute kommen.“ Auch das Kurs-Gewinn-Verhältnis sei nicht zu hoch und die Dividendenrendite mit aktuell 4,5 Prozent interessant. Am Donnerstagmittag geht die Royal Dutch Shell-Aktie zu 30,05 Euro über den Tisch, Ende 2013 waren es nur 25,81 Euro.

Exxon auf Rekordhoch

Auch für den US-Konzern Exxon Mobile gibt es Arras zufolge noch Luft nach oben. Die Aktie hat sich an der Börse Frankfurt (WKN 852549) zwar nicht ganz so gut entwickelt wie der europäische Konkurrent: In den vergangenen drei Monaten verteuerte sich Exxon Mobile um 8,6 Prozent auf aktuell 75,21 Euro. Allerdings erreichte der Wert an diesem Montag mit 77,01 Euro ein Rekordhoch. „Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 13 für 2014 ist Exxon noch nicht zu teuer.“

BP springt an

BP ist ebenfalls stark gestiegen, wie Roland Stadler von der Baader Bank bemerkt. Die Aktie des Energieriesen mit Sitz in London kommt auf ein Plus von 12,3 Prozent auf Dreimonatssicht, mit dem Sprung auf aktuell 6,47 Euro an der Börse Frankfurt (WKN 850517) ist der Dividendentitel erstmals aus dem seit dreieinhalb Jahren währenden Seitwärtstrend nach oben ausgebrochen.

Statoil, Total, Rosneft und Gazprom ziehen mit

Ähnlich positiv ist die Kursentwicklung des norwegischen Öl- und Gaskonzerns Statoil (WKN 675213), des französischen Mineralölunternehmens Total (WKN 850727) sowie der beiden russischen Konzerne Rosneft (WKN A0J3N5) und Gazprom (WKN 903276), wobei die beiden russischen Werte an der Börse Frankfurt als GDR und ADR, also aktienvertretendes Zertifikat, gehandelt werden. „Erstaunlich ist, dass Gazprom jetzt sogar schon wieder teurer als vor der Ukraine-Krise ist“, meint Stadler.

Aktienanalysten eher skeptisch

Ob sich der Trend nach oben noch fortsetzen wird, ist umstritten. Die jüngsten Analysteneinstufungen zum Beispiel für Royal Dutch Shell sind eher verhalten: So haben Citigroup, J.P. Morgan und die UBS die Aktie auf „Neutral“ gestuft, lediglich Morgan Stanley rät noch zum Übergewichten.

Bei BP sieht es ähnlich aus: Citigroup, S&P Capital und Independent Research votieren mit „Neutral“ beziehungsweise „Halten“, nur J.P. Morgan mit „Overweight“. Independent Research unterstreicht zum Beispiel die attraktive Dividendenrendite von BP, verweist allerdings auch auf die bereits recht ambitionierte Bewertung der Aktie.

Bald wieder sinkender Ölpreis?

Rohstoffanalysten der Commerzbank halten die durch die Irak-Krise ausgelösten Sorgen vor Versorgungsengpässen am Ölmarkt übrigens für übertrieben, wie es in einer heute veröffentlichten Studie heißt. Bei der Ölproduktion gebe es bisher keine Probleme, sollte sich die Lage im Irak nicht weiter verschärfen, würden die Ölpreise ihre jüngsten Gewinne größtenteils wieder abgeben. Ganz ausgeschlossen wird eine Zuspitzung aber nicht, dann sei mit einem Anstieg des Brent-Ölpreises auf mindestens 120 US-Dollar zu rechnen.

von Anna-Maria Borse, Deutsche Börse AG
© 26. Juni 2014

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