Kolumnen & Analysen Devisen

Goldpreis springt nach oben – Sichere Häfen wieder gefragt
FXCM Research - Commodities - 20.06.2014

Sicherheit ist wieder angesagt. Das zumindest spiegelt der Goldpreis wider, der wieder über die Marke von 1.300 US-Dollar gestiegen ist. Was an den Aktienmärkten noch nicht zu spüren ist, hat zumindest schon einmal den Rohstoffmarkt in Bewegung versetzt, denn im Schatten des Goldes ist auch Silber wieder angesprungen. Sichere Häfen sind aufgrund der weiter sehr expansiven Geldpolitik der US-Notenbank zur Unterstützung der US-Konjunktur trotz schon leicht anziehender Inflation aber auch vor dem Hintergrund der eskalierenden Gewalt im Irak wieder gefragt. Mit dem deutlichen Bruch der 1.300 US-Dollar im Goldpreis rücken nun die Widerstände der Vormonate von 1.315 US-Dollar und 1.330 US-Dollar in den Fokus. Sollte diese Widerstandsregion nachhaltig überwunden werden, besteht Potenzial bis an das Jahreshoch bei 1.392 US-Dollar.

Geopolitische Konflikte schüren Nachfrage nach sicheren Häfen

Die radikalislamistischen Isis-Dschihadisten rücken im Norden des Irak weiter vor und versetzen das Land ins Chaos. Irakische Soldaten kapitulieren und fliehen vor den Isis-Kämpfern. Neben Mossul, der zweitgrößten Stadt des Landes, wurden weitere Städte von der Terrorgruppe eingenommen. Zahlreiche Raffinerien gelten als umkämpft. Die Rallye im Ölpreis wirkte sich zuletzt ebenfalls preistreibend im Gold aus. Der zweitgrößte Ölförderer des Landes „North Oil“ soll die tägliche Förderungsmenge inzwischen halbiert haben. Die Rohöllieferungen im Norden geraten ins Stocken.
Der Konflikt wird sich in den kommenden Tagen wohl eher noch verschärfen. Die Rallye im Edelmetallsektor könnte dadurch weitere Nahrung erhalten. Die Frage, wie mit dem blutigen Konflikt in der Krisenregion umgegangen wird, ist noch nicht beantwortet. Obama verkündete, die USA werde 300 Militärberater ins Land schicken. Die USA sei zudem bereit, gezielte Militärschläge gegen den Terror im Irak einzusetzen. Mit Blick auf Konfliktherde darf auch die Ukraine nicht vergessen werden. Die verpasste Deadline des Landes für offenene Gasrechnungen an Russland trugen zu einer erhöhten Unsicherheit zuletzt im Rohstoffmarkt bei.

Zinsen in den USA bleiben noch lange auf Rekordtief

Als Rauschen bezeichnete die Fed-Chefin Yellen die überraschend angestiegene Inflation in den USA. Die Reduzierung der Anleihekäufe wurde wie erwartet fortgesetzt, doch die Fed spürt noch keinen Druck, den Zins wieder anzuheben. Janet Yellen hielt am Mittwoch fest, auch nach einer Reduzierung der „Quantitativen Maßnahmen“ werde für einen erheblichen Zeitraum der Leitzins auf dem Rekordtief gehalten. Alternative Assets wie Gold erhielten hiermit einen neuen glanzvollen Anstrich.

Spekulative Nachfrage am Terminmarkt zieht wieder an

Am Terminmarkt lässt sich ebenfalls ein Hoffnungsschimmer für Gold an der Position von Großinvestoren ablesen. Großspekulanten hoben ihre Anzahl Gold-Kauf-Kontrakte im Vergleich zur Vorwoche wieder um 1,42% an (2.235 Kontrakte), während Wetten auf einen fallenden Goldkurs mit einem Anstieg von 0,26% (259 Kontrakte) sich nur marginal veränderten. Die Netto-Position stieg damit um 1.976 (0,25 Mrd. USD) auf 61.127 Kontrakte (7,81 Mrd. USD).

Um einen Stimmungsumschwung festhalten zu können, ist die Veränderung zwar nicht signifikant genug, aber ein Hoffnungsschimmer für Gold lässt sich durch den leichten Anstieg der für den Goldkurs optimistischen Haltung den COT-Daten entnehmen. Auch im Silber festigte sich zuletzt die bullishe Position der Großinvestoren.

Gold wird über der 200-Tage-Linie wieder attraktiv

Gold steht vor seiner dritten positiven Wochenperformance in Folge. Die 200-Tage-Linie, aktuell bei 1.287 US-Dollar, wurde dynamisch gebrochen. Der Tagesschluss oberhalb sendet ein positives Signal. Mit dem Überwinden des Widerstandsbereichs um 1.286/1.288 USD bilden das Mai-Hoch (1.315,9 USD) und folgend das April-Hoch (1.331,5 USD) die nächsten Widerstände. Oberhalb der 1.331,5 USD wandert der Blick gar Richtung Jahreshoch bei 1.392 US-Dollar.

Autor: Niall Delventhal, DailyFX

Über den Autor:
Niall Delventhal arbeitet als Markanalyst für DailyFX.de, dem Research-Arm von FXCM. Er ist studierter Betriebswirt (B. Sc.) und ist sehr börsenaffin. Für seine Bachelorarbeit untersuchte er die missbräuchliche Ausnutzung von Marktmacht am Spotmarkt der Strombörse. Als nächste Fortbildung strebt er den CFA, Chartered Financial Analyst, an. In seinen täglichen Online-Seminaren bietet er neben aktuellen Marktnachrichten, Ratschläge und Lehrinformationen rund um das Thema Trading an. Dabei ist er der Ansicht, dass Informationen und Kenntnisse über die Märkte sowie die Risiken zu besitzen und zu beziehen einem keine Erfolge garantieren, aber die Erfolgschancen deutlich erhöhen. Detailliert widmet er sich den Stimmungen an den Märkten. Jeweils zum Wochenbeginn verfasst er den Report „Den großen Spekulanten auf der Spur" und fängt mithilfe der Commitments of Traders Daten primär für FX-Märkte die Positionierung und das Verhalten institutioneller Händler ein.

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