Kolumnen & Analysen Devisen

Peeters: "Kommt nun das Sommermärchen oder die kalte Dusche an den Börsen?"
Börse Frankfurt - Indizes - 12.06.2014

Blick auf die Börse von Roger Peeters*

12. Juni. 2014. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Endlich ist es wieder soweit. Nach einer gefühlten Ewigkeit, die tatsächlich vier Jahre angedauert hat, beginnt wieder eine Fußballweltmeisterschaft, diesmal im Lande des Rekordgewinners Brasilien. Auch wenn in Deutschland noch nicht die ganz große Euphorie ausgebrochen ist, wird sich das öffentliche Leben in der Republik in den kommenden Wochen deutlich in Richtung Copa Cabana ausrichten.

Ob es zu einem neuerlichen „Sommermärchen“ kommt, in dem die Truppe von Joachim Löw die Fans im ganzen Land mit ebenso ansehnlichen wie erfolgreichen Offensivfußball begeistert, oder es zu eine bitteren Enttäuschung wie beim letzten Turnier auf dem amerikanischen Kontinent (1994 in den USA) kommt, wird natürlich auf dem Platz entschieden, doch ist für die tatsächliche Stimmung durchaus auch die vorherige Erwartungshaltung relevant.

Hier ist natürlich allen voran der Top-Favorit und Ausrichter der Spiele, Brasilien, im Nachteil. Insbesondere bei den treuen Fans im eigenen Lager ist die Erwartungshaltung sehr hoch und schon der leichte Anflug eines Scheiterns kann zu einer negativen Stimmung führen, die vielleicht sogar wieder negativ auf die Mannschaft zurückschlägt. So anspornend es wirken kann, die eigenen Fans im Rücken zu haben, so sehr kann dieser Effekt ins Gegenteil kehren, wenn sich größere Enttäuschung auftut. Aus diesem stimmungstechnischen Blickwinkel betrachtet sind die deutschen Nationalkicker momentan durchaus im Vorteil. Verglichen mit der bei uns tradionell hohen Erwartungshaltung wirkte das Umfeld zuletzt ruhig und besonnen. Dies kann ein Vorteil sein und erhöht in jedem Fall das Überraschungspotenzial.

Diese Interdependenzen zwischen Erwartungshaltung, gefühlter Lage und tatsächlichen Ergebnissen sind Börsianern natürlich bestens bekannt. Auch hier wird die Stimmung des einzelnen Marktteilnehmers sehr stark von seiner vorherigen Erwartungshaltung geprägt. Anders als beim Fußball jedoch wirkt jeder Marktteilnehmer auch aktiv auf die Entwicklung der Märkte ein. Eine verhaltene Erwartungshaltung ist eine überaus solide Basis für künftige Gewinne, eben weil diese Pessimisten noch nicht investiert sind und somit weitere potenzielle Käufer sind. Im Gegenzug enden Haussen bekanntlich in der Euphorie, wenn nun wirklich auch der letzte mögliche Marktteilnehmer Aktien besitzt.

Und genau hiervon, also von einer euphorischen Stimmung, sind wir weit entfernt. Die Zeitungen sind voll von kritischen Hinweisen auf die hohe Bewertung der Märkte, die wechselhafte Konjunktur oder auch auf geopolitische Risiken. Als einziger Pluspunkt für die Bullen wird (nur) noch die expansive Geldpolitik gesehen, was wiederum eher manipulativ denn wirklich fundamental einsortiert wird. Stell Dir vor, es ist Hausse und keiner glaubt dran.

Diese Konstellation ist bei Lichte betrachtet tatsächlich ein weiterer möglicher Treiber für die Märkte. Der zwischenzeitliche Fall der 10.000-Punkte-Marke beim DAX könnte weitere Pessimisten auf falschem Fuß erwischt haben und den Trend verstärken. Fazit: Wenn keiner dran glaubt, kommt vielleicht doch das Sommermärchen. Auf dem grünen Feld oder auf dem Parkett.

von Roger Peeters, Close Brothers Seydler Research AG
© 12. Juni 2014

*Roger Peeters ist Vorstand der Close Brothers Seydler Research AG, einer Tochter der Frankfurter Wertpapierhandelsbank Close Brothers Seydler Bank, einer auf mittelständische Unternehmen fokussierte Bank. Zuvor leitete Peeters viele Jahre die Redaktion der "Platow Börse" und beriet den von ihm konzipierten DB Platinum III Platow Fonds. 2008 erschien von ihm 'Finde die richtige Aktie - ein Profi zeigt seine Methoden' im Finanzbuchverlag. Peeters schreibt regelmäßig für die Börse Frankfurt.

Dieser Artikel gibt die Meinung des Autors wieder, nicht die der Redaktion von boerse-frankfurt.de. Sein Inhalt ist die alleinige Verantwortung des Autors.

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