Kolumnen & Analysen Devisen

Devisen: Euro unter geldpolitischem Druck
Helaba Floor Research - Forex - 08.06.2014

Der Euro reagierte per saldo gelassen auf die neuen EZB-Maßnahmen. Mittelfristig dürfte ihn aber die Geldpolitik belasten, zumal die US-Notenbank in eine andere Richtung tendiert.

Euro zeigt sich wenig beeindruckt von EZB

Die EZB hat geliefert: Die Notenbank senkte den Leitzins auf 0,15 % und führte negative Einlagenzinsen für Geschäftsbanken ein. Auch bietet sie den Banken konditionierte Langfristtender an, die damit Kredite an Unternehmen vergeben sollen. Zudem plant die Notenbank ein Kaufprogramm für verbriefte Wertpapiere. Der Euro-Dollar-Kurs fiel zunächst einen Cent auf 1,35, erholte sich jedoch im Anschluss und legte per saldo sogar zu. Sind die EZB-Maßnahmen bereits verpufft?

Angesichts der z.T. wackligen Konjunktur und der sehr niedrigen Inflation in der Eurozone würde die EZB einen schwächeren Euro sicherlich begrüßen. Allein zur Wechselkurssteuerung waren die neuen Entscheidungen wohl auch nicht gedacht. Ohnehin sind für eine nachdrückliche Beeinflussung des Devisenmarktes erfahrungsgemäß deutlich radikalere geldpolitische Maßnahmen erfolgsversprechender. So sind direkte Devisenmarktinterventionen für die EZB voraussichtlich kein ernsthaftes Thema.

Die EZB versucht eher indirekt den Euro zu schwächen. So wächst der Zinsnachteil des Euro gegenüber dem US-Dollar. Die quantitativen Größen wie die monetären Basen bzw. Zentralbankbilanzsummen können ebenfalls Einfluss auf die Wechselkurse haben, wenngleich dieser Effekt empirisch weniger eindeutig als bei Zinsdifferenzen ist. Die Ausweitung der US-Geldbasis im Rahmen des Fed-Kaufprogramms und die gleichzeitige Schrumpfung der monetären Euro-Basis können den Anstieg des Euro-Dollar-Kurses im Vorjahr erklären. Die Halbierung der monatlichen Fed-Käufe schlägt sich mittlerweile in der Dollar-Geldbasis wieder, so dass diese zuletzt kaum noch wuchs. Umgekehrt lief der Rückgang der Euro-Basis aus. Die neuen EZB-Instrumente zielen auf einen Anstieg letzterer ab. Damit sprechen auch die monetären Komponenten für eine Trendwende im Euro-Dollar-Kurs. Ein aggressives Kaufprogramm seitens der EZB, was sich jedoch noch nicht abzeichnet, würde diesen Prozess beschleunigen.

Basis für Euro-Schwäche gelegt

Nicht immer führte die alleinige Ankündigung von geldpolitischen Maßnahmen zu größeren Marktreaktionen – so hat der US-Dollar von der Ankündigung des „Tapering“ der Fed kaum profitiert. Die Umsetzung der quantitativen EZB-Programme in den kommenden Monaten dürfte durchaus noch Markteinfluss besitzen. Die Zinsdifferenzen signalisieren sowieso einen schwächeren Euro-Dollar-Kurs, selbst wenn der Devisenmarkt diese Entwicklung bislang eher vernachlässigt hat. Die Basis für eine Euro-Abwertung ist gelegt. Eine deutliche Kursschwäche hängt jedoch davon ab, ob das stärkere Wachstum in den USA letztlich zu einer restriktiveren Geldpolitik – also Zinserhöhungen im Jahr 2015 – führt. Dann wird der Euro-Dollar-Kurs vermutlich sogar unter 1,30 fallen.

Helaba Floor Research
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