Kolumnen & Analysen Devisen

Die EZB traut sich was – Maßnahmenkatalog wird den Euro weiter schwächen
FXCM Research - Forex - 05.06.2014

Die Zeit des Zauderns und Zögerns bei der Europäischen Zentralbank ist mit dem heutigen Tag und einem geldpolitischen Paukenschlag zu Ende gegangen. Die EZB schöpfte mit ihrem heutigen Zinsentscheid ihre konventionellen Instrumente nahezu vollständig aus. Eine Leitzinssenkung um 10 Basispunkte auf das Rekordtief von 0,15 Prozent lässt kaum Spielraum für weitere Senkungen.

Voller Maßnahmenkatalog hat den Markt überrascht

Die EZB traut sich etwas. Sie sagt der anhaltenden hohen Arbeitslosenquote, den konjunkturellen Risiken und einer langfristig niedrigen Inflation den Kampf an. Mit einer negativen Einlagefazilität entschied sich der EZB-Rat für einen historischen Schritt. Dieser Strafzins soll bewirken, dass endlich Gelder von Geschäftsbanken statt bei EZB geparkt nun für die Kreditvergabe verwendet werden. Mit einem solch vollen Maßnahmenkatalog hat der Devisenmarkt nicht gerechnet, der Euro geriet weiter unter Druck und machte heute vorerst knapp über der Marke von 1,35 US-Dollar halt.

400 Milliarden Euro sollen die Eurozone endlich wieder beleben

Doch nicht nur an den Zinsen wurde heute geschraubt. Eine 400 Milliarden schwere Liquiditätsspritze durch längerfristige Refinanzierungsgeschäfte (LTRO) soll die Kreditvergabe ankurbeln – Laufzeit bis 2018. In der Erwartung, dass verstärkte Investitionen sich auch in der Teuerungsrate widerspiegeln, sind die heute beschlossenen Maßnahmen zudem ein Schritt gegen die niedrige Inflation. Außerdem schwächen sie den Euro, der mit knapp 1,40 US-Dollar Anfang Mai den europäischen Exporteuren das Leben sehr schwer machte. Mit den heute verkündeten Maßnahmen ist davon auszugehen, dass der Euro auch in den kommenden Wochen unter Druck bleiben wird. Die Erwartung an den Leitzinsentscheid war klar ausgerichtet. Doch geldpolitische Lagebeurteilungen sind in der Regel dann besonders effektiv, wenn sie möglichst überraschend verkündet werden. Der EZB-Chef hingegen äußerte sich bereits Anfang Mai sehr eindeutig und löste unmittelbar Spekulationen baldiger expansiver Schritte in den Märkten aus. Von Sparern wird die Zinssenkung nicht begrüßt, doch die Aussicht auf „billigere Kredite“ für Unternehmen ließ den DAX heute erstmals die 10.000 Marke knacken.

Euro weiter unter Druck, DAX langfristig über 10.000 Punkte

Die heute verkündeten Schritte könnten auch nur Teil Eins einer größer angelegten Operation der Notenbanker sein. Schon jetzt gibt es Spekulationen weiterer expansiver Maßnahmen. So ist es durchaus denkbar, dass die EZB im Hintergrund an einem „Quantitative Easing“ ähnlich den Amerikanern arbeitet. Die nächste milliardenschwere Liquiditätsspritze könnte demnach zeitnah folgen. Diese Erwartungen werden für weiteren Druck im EUR/USD sorgen und dem DAX einen komfortablen Anstieg über die 10.000er Marke in den kommenden Wochen ermöglichen. Diesen historischen Sprung, wenn auch vorerst nicht nachhaltig, vollzog der DAX heute ebenfalls.

Autor: Niall Delventhal, DailyFX

Über den Autor:
Niall Delventhal arbeitet als Markanalyst für DailyFX.de, dem Research-Arm von FXCM. Er ist studierter Betriebswirt (B. Sc.) und ist sehr börsenaffin. Für seine Bachelorarbeit untersuchte er die missbräuchliche Ausnutzung von Marktmacht am Spotmarkt der Strombörse. Als nächste Fortbildung strebt er den CFA, Chartered Financial Analyst, an. In seinen täglichen Online-Seminaren bietet er neben aktuellen Marktnachrichten, Ratschläge und Lehrinformationen rund um das Thema Trading an. Dabei ist er der Ansicht, dass Informationen und Kenntnisse über die Märkte sowie die Risiken zu besitzen und zu beziehen einem keine Erfolge garantieren, aber die Erfolgschancen deutlich erhöhen. Detailliert widmet er sich den Stimmungen an den Märkten. Jeweils zum Wochenbeginn verfasst er den Report „Den großen Spekulanten auf der Spur" und fängt mithilfe der Commitments of Traders Daten primär für FX-Märkte die Positionierung und das Verhalten institutioneller Händler ein.

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Aktuelle Kolumnen & Analysen

Marktstimmung: "Ein Paradigmenwechsel?"
Börse Frankfurt - Indizes - 28.06.2017
28. Juni 2017. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Es war die Rede Mario Draghis zur Eröffnung der Notenbankkonferenz im portugiesischen Sintra, die nicht nur für viele Börsianer eine Änderung der Sicht auf die Finanzmärkte gegeben haben mag. Denn der EZB-Präsident hatte eine Bereitschaft zur Anpassung der Geldpolitik der Zentralbank angesichts der anhaltenden Konjunkturerholung angedeutet. So erklärte Draghi überraschenderweise, dass die deflationären Kräfte, die die Teuerung belasteten, durch preissteigernde, reflationäre Faktoren ersetzt worden seien. ... mehr

Zertifikate-Trends: Optimisten überwiegen
Börse Frankfurt - Marktberichte - 28.06.2017
28. Juni 2017. Trotz jüngster Einbußen: Die vergangenen Wochen waren von vielen neuen Höchstständen an den Aktienmärkten geprägt, dazu kam ein rasanter Ölpreisverfall und zuletzt ein weiterer Anstieg des Euro gegenüber dem US-Dollar. Wenig Aufregendes gab es unterdessen vom Gold. Wegen der vielen Bewegungen berichten Zertifikate-Händler von einem guten, wenn auch nicht extrem hohen Handelsaufkommen: "Es sind immer Schübe, zwischendurch ist dann weniger los", erklärt Markus Königer von der ICF Bank. Beliebtestes Underlying seien DAX und Gold, gefolgt von der Deutschen Bank und VW. ... mehr

DAX erholt sich wieder – EZB holt Testballon zurück
CMC Markets - Marktberichte - 28.06.2017
Gerade einmal 28 Stunden war der Testballon der Europäischen Zentralbank mit einer möglichen Zinswende an Bord in der Luft, da holten ihn die berühmten „Kreise“ innerhalb der Notenbank wieder zurück. Die EZB fühlt sich in der Interpretation von Draghis gestrigen Worten missverstanden. Statt in Richtung Normalisierung wäre die Rede eher ausgewogen gewesen, so die Klarstellungen. Eben ein Testballon, auf den die Märkte sehr eindeutig reagierten, was nun zumindest in Ansätzen wieder korrigiert wurde. ... mehr

Euwax Trends: Euro und DAX auf Achterbahnfahrt - Äußerungen von Mario Draghi wurden wohl überinterpretiert
Börse Stuttgart - Marktberichte - 28.06.2017
Nachdem sich Mario Draghi beim Notenbank-Forum gestern in Portugal sehr optimistisch zur Konjunktur im Euro-Raum geäußert hatte und gleichzeitig davon sprach, dass die Gefahr einer Deflation gebannt sei, bekam die Gemeinschaftswährung Aufwind. So notierte der Euro zwischenzeitlich bei 1,1388 US-Dollar. Das war der höchste Stand seit Juni 2016. Die Worte des Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB) wurden von vielen Marktteilnehmern zunächst dahingehend gedeutet, dass die Bereitschaft des EZB-Rates zu einer Straffung der Geldpolitik gewachsen sei. ... mehr

DAX – Kommt einfach nicht vom Fleck!
L. Erichsen - Trading-Brief - Indizes - 28.06.2017
Rückblick auf meine Empfehlung vom 14.06.: Konzentrieren Sie sich bitte auf die größeren Marken, wie sie im Chart zu sehen sind. Unterhalb einer Kurszone zwischen 12.600 und 12.650 Punkten erwarte ich eine ausgeprägtere Abwärtsstrecken. Das konnten wir umsetzen: Der DAX zeigt sich weiterhin gefangen in einer Seitwärtsphase. Dieses ausgeprägte „Raum-Zeit-Kontinuum“ würde jedem Science-Fiction-Film alle Ehre machen. Ist der deutsche Leitindex beispielsweise am Montag hoffnungsvoll in die Woche gestartet, wurde er prompt wieder eingefangen. ... mehr

EUR/USD-Analyse: Die Stabilität sorgt für die Hochs
Admiral Markets - Forex - 28.06.2017
Der Euro wird derzeit durch die Worte des Super-Mario beflügelt. Deflation sei bezwungen, die Entwicklung auf einem guten Weg, alle schauen positiv in die Zukunft. Dennoch sollte man die politische Komponente nicht außer Acht lassen. Mit Emmanuel Macron erleben wir eine Stabilität in Frankreich, die schon lange nicht vorhanden war. Theresa May, die sehr gerne als zweite eiserne Lady in die Geschichtsbücher eingehen würde, muss nun etwas moderater auftreten. Alles zusammen lässt die politischen Risiken nur so schmelzen. Soweit zu Europa. In den USA sind die politischen Risiken zeitgleich zu einem unberechenbaren Kalkül geworden. ... mehr

USD Analyse – Draghi bewegt den Euro!
RoboForex I B. Wachsmann - Forex - 28.06.2017
Am gestrigen Handelstag gab es an den Devisen- und Anleihemärkten massive Kursbewegungen, die größtenteils auf Äußerungen des Vorsitzenden der europäischen Zentralbank, Mario Draghi, zurückzuführen waren. Auch die für gestern Abend angesetzte Rede Janet Yellens während des Handelstages im Fokus der Anleger und sorgte für einen schwächeren USD gegenüber der europäischen Gemeinschaftswährung. Marktsituation USD-Dollar (US Dollar Index) 28. Juni 2017: Durch die gestrige Kursstärke bei der europäischen Gemeinschaftswährung fiel auch der US-Dollar-Index wieder deutlich zurück und nahm die untere Abwärtstrendkanallinie ins Visier. ... mehr

DAX setzt Korrektur fort – Geldpolitik wird zum Partykiller
CMC Markets - Marktberichte - 28.06.2017
Nachdem der Deutsche Aktienindex gestern das Signal zu einer größeren Korrektur gegeben hat, setzt sich die Abwärtsbewegung heute fort. Der Euro springt auf ein neues Jahreshoch und bringt damit besonders die Aktien von Unternehmen unter Druck, die vom Export abhängig sind. Allerdings ist der steigende Euro nur das Ergebnis dessen, wohin die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank in Zukunft tendieren wird, zurück zur Normalität, weg von Geldgeschenken und negativen Zinsen. ... mehr

Aktienmärkte im Rückwärtsgang – Risikoaversion nimmt weiter zu
Helaba Floor Research - Indizes - 28.06.2017
Aktienmarkt Während der letzten Handelstage hatte sich abgezeichnet, dass der DAX zu einer gewissen Schwäche neigt. Diese wurde gestern offensichtlich. Einerseits hat EZB-Präsident Draghi mit seinen Aussagen für Sorgen auf eine straffere Geldpolitik gesorgt, andererseits rutschte der deutsche Leitindex unter wichtige Chartmarken. Alles in allem nimmt derzeit die Risikoaversion wieder zu, was an einem Anstieg des V-DAX (13,85 vs. 12,65) gut abzulesen ist. Saisonale Effekte und die fehlenden, neuen Impulse lassen vermuten, dass der Abgabedruck weiter anhält. ... mehr

Fixed Income Daily - Geldmenge M3 datenseitig im Fokus
Helaba Floor Research - Bonds - 28.06.2017
Das datenseitige Interesse richtet sich heute auf die europäische Geldmenge M3. Im April hat sich die Jahreszuwachsrate auf 4,9 % reduziert, nachdem im Vormonat mit 5,3 % VJ zunächst der höchste Stand seit Februar 2009 erreicht wurde. Dabei gilt noch zu berücksichtigen, dass das Geldmengenwachstum von Umschichtungen aus längerfristigen Verbindlichkeiten der Geschäftsbanken gegenüber den Nichtbanken profitiert, die nicht Bestandteil der Geldmenge sind. Die Zuwachsrate der Kreditvergabe an den privaten Sektor hat sich zuletzt ebenfalls reduziert. Sie ist ohnehin wenig dynamisch, sodass monetär bedingter Preisdruck nicht ableitbar ist. Daran wird sich im Mai wohl wenig geändert haben. ... mehr

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