Kolumnen & Analysen Devisen

Hüfners Wochenkommentar: "Neue Höchststände bei den Aktien"
Börse Frankfurt - Indizes - 03.06.2014

3. Juni 2014. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Plötzlich ist der DAX ausgebrochen. Nachdem er sich seit Beginn des Jahres unter Schwankungen mehr oder weniger seitwärts bewegt hat, ging es in der letzten Woche mit einem Sprung plötzlich bis auf fast 10.000 Punkte nach oben. Das kam überraschend. Es gab dafür auch keinen besonderen Anlass. Die meisten Marktteilnehmer hatten – nach dem üblichen Muster "Sell in May and Go away" – eher mit einem Rückgang der Kurse gerechnet. Ist das nur eine vorübergehende Laune des Marktes oder könnte es der Beginn einer neuen Aufwärtsentwicklung sein?

Ganz kurzfristig sind die Aussichten für eine weitere positive Entwicklung gut. Der Markt wird durch die Erwartung neuer geldpolitischer Lockerungen durch die EZB gestützt. EZB-Chef Draghi hat dabei die Latte sehr hoch gehängt. In seiner bekannt entschlossenen Sprache, die keine Zweifel aufkommen lässt, sagte er vergangene Woche: "Wir werden es nicht hinnehmen, dass die Inflation zu lange zu niedrig ist." Das ist Balsam für die Aktienmärkte. Freilich hat die Zentralbank die Erwartungen damit sehr hoch gehängt. Beim letzten Mal, im Juli 2012, hat das geklappt. Ob das diesmal auch wieder so sein wird, ist nicht sicher. Es kann auch Enttäuschungen geben.

Nun weiß jeder, dass monetäre Faktoren allein den Markt nicht auf Dauer treiben können. Für eine längerfristige Aufwärtsentwicklung kommt es darauf an, dass die Wirtschaft weiter wächst und sich die Gewinne der Unternehmen erhöhen. Auch hier sehen die Perspektiven nicht schlecht aus.

Das Wirtschaftswachstum zieht in fast allen großen Industrieländern spürbar an. Die USA hatten zwar ein schwaches erstes Quartal. Im zweiten Quartal geht es aber deutlich nach oben (wenigstens um 3 Prozent). In Deutschland war schon das erste Quartal gut (annualisiert 3 Prozent). Der Euroraum hat in den ersten drei Monaten des Jahres etwas enttäuscht (annualisiert 0,8 Prozent). Das lag aber im Wesentlichen daran, dass die Niederlande stark geschrumpft sind, weil wegen des milden Winters weniger Gas gebraucht wurde. Nur Italien und Frankreich waren richtig schwach.

Wachstum stützt den DAX

Reales BIP-Wachstum in Deutschland in % gegenüber Vorjahresquartal und DAX, Quelle: Bundesbank

Die Grafik zeigt, wie wichtig Wirtschaftswachstum für die Aktienkurse ist. Der Aufschwung der Kurse im März 2009 wurde ausgelöst durch die gesamtwirtschaftliche Erholung nach der Rezession. Als die Konjunktur 2011 an Kraft verlor, stürzten die Kurse vorübergehend kräftig ab (um über 25 Prozent). Danach bewegten sich Aktienkurse und Wirtschaftswachstum in unterschiedliche Richtungen. Die Kurse gingen hoch, das Wachstum nach unten. Das konnte so nicht auf Dauer funktionieren. Die Bewertungen des Marktes wurden immer ungünstiger.

Erst ab Mitte 2013 hat sich die Konjunktur wieder ins Positive gedreht. Die Wachstumsraten stiegen in Deutschland an. Die Unternehmensgewinne nahmen zu. Das wird sich fortsetzen. Die üblichen Konjunkturprognosen gehen davon aus, dass sich die gute Konjunktur noch wenigstens bis in das Jahr 2015 hält. Allerdings werden sich die Wachstumsraten nicht mehr beschleunigen. Sie werden auf dem erreichten Niveau von 2 Prozent bleiben. Kurszuwächse wie in den letzten zwei Jahren (jeweils mehr als 25 Prozent) sind dann also nicht mehr gerechtfertigt.

Was sind die Risiken, die den Weizen am Aktienmarkt – jedenfalls temporär – verhageln könnten. Einmal sind es die politischen Probleme in Osteuropa (Ukraine), Ostasien (zwischen den Anrainern des Südchinesischen Meeres) und anderen Schwellenländern in verschiedenen Teilen der Welt (unter anderem Thailand, Ägypten, Türkei, Brasilien). Die große Ausnahme ist Indien. Hier kann es, wenn der neue Ministerpräsident Nadrema Modi seine Versprechungen hält, zu "Recovery Rates" kommen ähnlich wie die in den letzten achtzehn Monaten im Euroraum (mit dem Unterschied nur, dass die Kurse in Indien nicht so stark gefallen waren).

Es gibt auch Risiken im Zusammenhang mit der Umstellung der Geldpolitik in den USA und Großbritannien auf einen weniger expansiven Kurs. In Großbritannien wird noch für dieses Jahr mit einer Zinserhöhung gerechnet. In den USA wird es wohl erst 2015 dazu kommen. Auch in Europa kommt irgendwann der Zeitpunkt, an dem umgesteuert werden muss.

Schließlich ergeben sich Risiken aus der Tatsache, dass die Bewertungen der Märkte "am Limit" sind. Die Europäische Zentralbank hat gerade erst bei der Vorlage ihres Finanzstabilitätsberichts davor gewarnt, dass die Anleger in vielen Fällen zu hohe Risiken eingegangen sind. Wir haben Anfang des Jahres bei den Schwellen- und Entwicklungsländern gesehen, dass es in einer solchen Situation keiner großen Erschütterungen bedarf, um die Investoren zu verunsichern und sie dazu zu bewegen, Anlagen aufzulösen. Wir bewegen uns trotz des besseren Wachstums also auf dünnem Eis.


Für Anleger




Für die "Hygiene" der Märkte wäre es gut, wenn die Aufwärtsentwicklung des DAX jetzt erst einmal nicht so weiter geht. Eine Konsolidierung der Kurse um 10 Prozent oder 15 Prozent wäre nicht schlecht. Sie würde die Kurse in den Augen der Investoren wieder auf ein angemesseneres Niveau herunterbringen. Sie gäbe zudem dem Wirtschaftswachstum die Zeit, die Bewertung der Aktienkurse zu verbessern. Und sie würde den Anlegern die Risiken deutlich machen und sie wieder mehr auf den Boden der Realität bringen. Nach einer solchen Korrektur haben die Aktienkurse durchaus noch Spiel nach oben. In den letzten beiden Kursrallyes sind sie noch deutlich stärker gestiegen als diesmal. Indexniveaus von deutlich über 10.000 am Jahresende sind realistisch und fundamental gerechtfertigt. Ein Crash wie 2000 oder 2008 wird es aller Voraussicht nach nicht geben. Dafür ist die fundamentale Situation in den Industrieländern zu gut.

Anmerkungen oder Anregungen? Martin Hüfner freut sich auf den Dialog mit Ihnen: redaktion@deutsche-boerse.com.

von Martin Hüfner, Assenagon
© 3. Juni2014

Dr. Martin W. Hüfner ist Chief Economist bei Assenagon. Viele Jahre war er Chefvolkswirt der Bayerischen Hypo- und Vereinsbank AG und Senior Economist der Deutschen Bank AG. Er leitete fünf Jahre den renommierten Wirtschafts- und Währungsausschuss der Chefvolkswirte der Europäischen Bankenvereinigung in Brüssel. Zudem war er über zehn Jahre stellvertretender Vorsitzender beziehungsweise Vorsitzender des Wirtschafts- und Währungsausschusses des Bundesverbandes Deutscher Banken und Mitglied des Schattenrates der Europäischen Zentralbank, den das Handelsblatt und das Wallstreet Journal Europe organisieren. Dr. Martin W. Hüfner ist Autor mehrerer Bücher, unter anderem "Europa – Die Macht von Morgen" (2006), "Comeback für Deutschland" (2007), "Achtung: Geld in Gefahr" (2008) und "Rettet den Euro!" (2011)

Aktuelle Kolumnen & Analysen

ETFs: Deutsche Firmen in allen Facetten gefragt
Börse Frankfurt - Indizes - 19.09.2017
19. September 2017. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Von neuen Allzeithochs an der Wall Street und steigenden Kursen am heimischen Aktienmarkt scheinen sich ETF-Anleger nur bedingt mitreißen zu lassen. Händler berichten von einem gemischten Geschäft mit Indexfonds. "Unsere ETF-Umsätze sind mit dem Ende der Urlaubszeit deutlich angezogen", meldet Oliver Kilian von der UniCredit. Auch der Montag könne sich sehen lassen. "Gestern erreichten die Umsätze ein Drittel des Gesamtaufkommens der vergangenen Woche." ... mehr

Euwax Trends: Dax kaum verändert vor Fed Sitzung – Milliardenkauf soll BASF stärken - Game Over bei Toys ‘R’ Us – größte Pleite eines US Fachhändlers
Börse Stuttgart - Marktberichte - 19.09.2017
Einen Tag vor der Zinsentscheidung der US-Notenbank trauen sich Anleger nicht mehr aus der Deckung. Der Dax bewegt sich heute in einer sehr engen Handelsspanne von gerade mal 30 Punkten seitwärts. Nicht mal ein gute ZEW Index bringt Impulse. An der Börse gilt als sicher, dass die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) den Startschuss für den Abbau ihrer billionenschweren Wertpapierbestände geben wird. Unklar ist aber, ob Fed-Chefin Janet Yellen auch für Dezember eine weitere Zinserhöhung signalisiert. ... mehr

DAX 30 und Bitcoin Market Update: DAX 30 - Euro drückt auf das Gemüt
DailyFX - Marktberichte - 19.09.2017
Ein Cocktail aus wahlpolitischen, zinspolitischen und geopolitischen Frage- und Ausrufezeichen prägen das Bild im deutschen Leitindex (DAX 30). Während Anleger in der ersten Wochenhälfte auf den Startschuss eines Abschmelzens der aufgeblähten US- Notenbank (FED) hoffen, dürfte die zweite Hälfte von weiteren Fragezeichen im Hinblick auf die kommende Bundestagswahl stehen. Des Weiteren lässt eine diplomatische Friedenslösung im Nordkorea- Konflikt weiterhin auf sich warten. ... mehr

Geldanlage Report: Ballard Power geht durch die Decke: Kommt jetzt der Brennstoffzellen-Boom?
Armin Brack - Indizes - 19.09.2017
"A rising tide lifts all boats" pflegen die Amerikaner zu sagen, wenn auch Unternehmen oder Technologien aus der zweiten und dritten Reihe von einem übergeordneten Megatrend profitieren. In dem Fall ist es die Elektromobilität und die Überlegung dahinter lautet: Auch die wasserstoffbasierte Brennstoffzellen-Technologie wird ihren Teil vom immer größer werdenden Elektromobilitätskuchen abbekommen. Speziell in China rechnet sich Pionier Ballard Power große Chancen aus, zunächst vor allem bei Bussen. ... mehr

DAX hält sich vornehm zurück – Gibt es einen Grund dafür?
CMC Markets - Marktberichte - 19.09.2017
Offenbar will niemand vor der Sitzung der US-Notenbank neue große Positionen im DAX aufbauen. Die Verkleinerung der Fed-Bilanz wird aber wahrscheinlich keine Einbrüche an den Börsen auslösen. Wenn die Markterwartungen erfüllt werden, sprechen wir in den nächsten drei Jahren über geplante Verkäufe von US-Staatsanleihen im Wert von 1300 Milliarden Dollar. Das entspricht lediglich einem Drittel der gesamten Notenbank-Bilanz. ... mehr

Tagesausblick Aktien: DAX: Luft wird dünner
Helaba Floor Research - Indizes - 19.09.2017
Der deutsche Aktienmarkt hat sich zu Beginn der neuen Woche und in Abwesenheit wichtiger Konjunkturzahlen gut behauptet. Der DAX stieg zunächst auf 12.613 Punkte und damit auf das höchste Niveau seit Mitte Juli dieses Jahres. Er beendete den Handel mit einem Plus von 0,3 % bei 12.559 Zählern. Auf der Gewinnerseite standen zunächst die Anteilsscheine von Volkswagen, obwohl sich Deutschlands VW- und Audi-Händler bezüglich des Dieselskandals vom Konzern im Stich gelassen fühlen und nun Schadensersatz in dreistelliger Millionenhöhe fordern. ... mehr

Tagesausblick Renten/Devisen: ZEW-Umfrage: Positive Überraschung?
Helaba Floor Research - Forex - 19.09.2017
Konjunkturelle Stimmungsindikatoren haben ihre Hochpunkte überschritten. Da macht die heute anstehende ZEW-Umfrage keine Ausnahme. Der Saldo der Konjunkturerwartungen pendelt seit knapp einem Jahr zwischen 10 und gut 20 Indexpunkten. Nachdem im Vormonat der untere Bereich in Augenschein genommen wurde, könnte es heute wieder zu einem leichten Anstieg kommen, denn die Vorgaben vonseiten der deutschen sentix-Investorenerwartungen sind leicht positiv. ... mehr

PM: Admiral Markets macht MT4 und MT5 noch besse
Admiral Markets - Trading Business - 19.09.2017
Berlin, 19. September 2017 - Nachdem in der vergangenen Woche endlich die beliebte Supreme Edition von Admiral Markets auch auf dem MetaTrader 5 (MT5) Einzug gehalten hat, legt der internationale Forex- und CFD-Broker erneut nach und integriert weitere Sonderfunktionen sowohl im MT4 als auch im MT5. Damit wird Gutes noch besser und Trading mit Admiral Markets noch komfortabler. Der MetaTrader 4, kurz MT4, zählt weltweit zu den beliebtesten Trading-Plattformen für den Handel mit Forex und CFDs. ... mehr

Neue ETFs: Europäische Unternehmen
Börse Frankfurt - Trading Business - 19.09.2017
19. September 2017. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Lyxor erweitert das ETF-Angebot auf Xetra und dem Frankfurter Parketthandel. Mit dem Lyxor EURO STOXX 50 (DR) UCITS ETF sowie dem Lyxor EURO STOXX 300 (DR) UCITS ETF können Anleger an der Wertentwicklung der 50 beziehungsweise 300 größten Aktienunternehmen der Eurozone partizipieren. Die Aktien werden anhand ihrer Marktkapitalisierung, ihrer Liquidität sowie der Relevanz des jeweiligen Sektors ausgewählt. ... mehr

DAX-Analyse: Bis zur Bundestagswahl Ampeln auf Grün
Admiral Markets - Indizes - 18.09.2017
Der Dax ging am Montagmorgen der vergangenen Handelswoche bei 12.373 Punkten in den vorbörslichen Handel. Er startete damit 83 Punkte über dem Wochenschluss der Vorwoche und 295 Punkte über der ersten vorbörslichen Notierung am Montag der Vorwoche. Am Montag setzte sich die Aufwärtsbewegung der Vorwoche weiter fort. Die Bullen schoben den Index bis in den Bereich der 12.490 Punkte. Am Dienstag ging es dann über die 12.500 Punkte, wobei der Elan der Bullen sich dann deutlich abschwächte. ... mehr

Buchtipp

Faszination Devisen
Die Gewinn- möglichkeiten mit Devisen sind enorm. Nie zuvor war es für den Privatanleger einfacher und lukrativer, mit den Kursschwankungen und Trends von Wechselkursen eigenständig und ohne hohe Gebühren Geld zu verdienen. ...weiter

Broker

Anzeige eToro - Trading-Verluste können Ihre Einlagen übersteigen. Beachten Sie die Risikoaufklärung auf der Seite des Brokers!

Sponsor

Anzeigen

<