Kolumnen & Analysen Devisen

Baader Bond Markets: Stunde der Wahrheit für Euro-Schuldensünder
K. Stopp I Baader Markets - Bonds - 25.04.2014

Mit der Defizitquote von 3,0% halten die Euroländer gerade mal den zulässigen Höchstwert ein. Insgesamt aber hat sich der Schuldenstand weiter erhöht.

Es war so etwas wie die Stunde der Wahrheit, die den Defizitsündern der Eurozone geschlagen hat. Nachdem das EU-Statistikamt Eurostat aktuelle Zahlen zur Staatsverschuldung der Mitgliedsländer vorgelegt hat, ist klar: Die Lage der öffentlichen Haushalte in der Eurozone hat sich im vergangenen Jahr kaum verbessert. Das konsolidierte Haushaltsdefizit aller Euroländer war zwar rückläufig, die Staatsschulden aber stiegen weiter an.

Mit einer Defizitquote von 3,0% nach zuvor 3,7% der jährlichen Wirtschaftsleistung (BIP) halten die Staaten insgesamt gerade so den höchstzulässigen Wert ein. Die Schuldenstandsquote aber kletterte munter weiter um 1,9 Prozentpunkte auf 92,6% des BIP.

Die mit Abstand höchste Verschuldung weist weiterhin Griechenland mit 175,1% seiner Wirtschaftsleistung auf – auch wenn das Land vor zwei Wochen noch seine Rückkehr an den Kapitalmarkt mediengerecht gefeiert hat. Die weiteren Schuldensünder sind Italien (132,6%), Portugal (129,0%), Irland (123,7%) und Zypern (111,7%). Am wenigsten verschuldet ist, für manchen überraschend, Estland (10,0%), während Deutschland mit 78,4% einen mittleren Platz einnimmt. Als einzige Euroländer konnten Luxemburg und Deutschland einen geringfügigen Haushaltsüberschuss erwirtschaften.

Es sei an dieser Stelle einmal daran erinnert, dass entsprechend den geltenden Konvergenzkriterien der öffentliche Schuldenstand der Euroländer nicht mehr als 60% des BIP ausmachen darf - es sei denn eine deutlich rückläufige Tendenz ist ersichtlich. So hat man das einst 1992 im Vertrag von Maastricht festgeschrieben. Aber Papier ist geduldig!

Wenn nun der Umstand, dass das griechische Haushaltsdefizit weniger stark als erwartet gewachsen ist, als Hoffnungsschimmer bezeichnet wird, sollte man es nicht Ikarus nachtun und abheben. Schließlich betrug das Athener Haushaltsdefizit im vergangenen Jahr immer noch 12,7% der Wirtschaftsleistung – 9,7% mehr als die 3,0%, die laut Maastricht-Vertrag erlaubt sind.

Dass die Bundesbürger bereits vor der Veröffentlichung von Eurostat ihre Skepsis gegenüber der europäischen Staatsschuldenkrise ausgedrückt haben, spricht doch für eine realistische Einschätzung der Dinge. So sind vier von fünf Bundesbürgern davon überzeugt, dass die Eurokrise noch nicht ausgestanden ist. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Insa im Auftrag der „Bild"-Zeitung hervor.

Auch Portugal kehrt an den Kapitalmarkt zurück
Den Erfolg des Comeback sollte man nicht überbewerten.

Nachdem Griechenland vor zwei Wochen an die Kapitalmärkte zurückgekehrt war, richteten sich gestern nicht nur die Blicke der Fußballfans gen Lissabon, denn vier Mannschaften sind "on the road to Lisbon". Aber Börsianer interessierten sich auch dafür, dass Portugal erfolgreich eine Anleihe platzieren konnte. Im Rahmen einer Aufstockung der bereits Mitte 2013 begebenen Anleihe (A1HKUP) sammelte Portugal in einer öffentlichen Auktion 750 Mio. Euro ein. Diese Anleihe war zum damaligen Zeitpunkt die erste Anleihe nachdem Portugal unter den Euro-Rettungsschirm geflohen war. Bereits im Februar erfolgte eine erste Aufstockung, so dass inzwischen als Emissionsvolumen 6.75 Mrd. € zu Buche stehen. Die Zuteilung erfolgte gestern zu einer Rendite von 3,57%. Der Bond aus Lissabon, der bis 2/2024 läuft, wird bereits an den Börsen notiert und rentiert dort bei ca. 3,62%.

Mancher Marktteilnehmer hatte bei der Zuteilung eine höhere Rendite erwartet, aber angesichts der 3,5-fachen Überzeichnung und dem niedrigen Zinsniveau in der Eurozone konnten die Investoren mit der Ausführung zufrieden sein. Unter Berücksichtigung des geringen Aufstockungsbetrags und der nach wie vor hohen Verschuldung des Landes sollte das Comeback für Portugal, das im nächsten Monat den Rettungsschirm endgültig verlassen will, nicht überbewertet werden. Schließlich gehen die Investoren auch fest davon aus, dass im Notfall die Euroländer mit ihrem Rettungsschirm die Rückzahlung übernehmen. Somit ist nur ein Versuchsballon gestartet worden.

Bereits begebene portugiesische Altemissionen konnten infolge der erfolgreichen Platzierung ebenfalls zulegen. So kletterte eine im Juni 2019 fällig werdende Anleihe (A0T7AG) auf 111,12%, was eine Rendite von rund 2,42% bedeutet.

Investoren zeigen Russland die kalte Schulter
Moskau bekommt die finanziellen Auswirkungen des Konflikts um die Ukraine zu spüren.

Der Konflikt um die Ukraine und die damit verbundenen Sanktionen wirken sich auf die Kapitalmarktfähigkeit Russlands heftiger aus, als es Vladimir Putin lieb sein kann. Erneut hat das Finanzministerium in Moskau gestern eine Versteigerung von Anleihen, die in Rubel begeben werden sollten, abgebrochen und als gescheitert erklärt. Geplant war eine Auktion mit einem Emissionsvolumen von umgerechnet lediglich 202 Mio. Euro und einer Laufzeit von neun Jahren. Doch nicht mal dieses Angebot konnte ordentlich am Markt platziert werden.

Damit zeigen die Investoren Moskau die kalte Schulter, nachdem bereits in der Vergangenheit ähnliche Auktionen mehrfach gescheitert waren. Aufgrund der politischen Unsicherheiten, erscheinen den Anlegern die Risiken weiterhin als zu groß und die entsprechenden Risikoaufschläge als zu klein. Noch sind die Kassen Russlands gut gefüllt, aber es gibt zu denken, dass dem drittgrößten Schwellenland schwindende Investitionsbereitschaft widerfährt.

Entsprechend standen auch Alt-Anleihen der russischen Föderation an den deutschen Börsen unter Druck. So rutschte ein auf Rubel lautender Bond (A1G10S) mit Laufzeit 2/2027 auf 94,00% ab und rentiert nun mit ca. 9,05%. Ebenso erging es einer Staatsanleihe (A1HQXU) mit Fälligkeit 9/2020, die bei 100,20% eine Rendite von 3,35% aufweist und in Euro begeben wurde.

Trügerische Ruhe vor Sitzungen der Notenbanken
Der Hinweis des EZB-Präsidenten Mario Draghi auf eine mögliche Zinssenkung steht weiter im Raum.

Im Gegensatz zum Elefanten gilt der Mensch als ein Wesen, das sich oft schon nach kurzer Zeit an Dinge nicht mehr erinnern kann oder will. So scheint es auch bei der Finanzkrise abzulaufen. Denn die trügerische Ruhe an den Kapitalmärkten könnte den Eindruck vermitteln, dass die Notenbanken alles im Griff hätten und es kaum mehr Probleme gäbe. Dem ist aber bei Weitem nicht so. Das wird in den nächsten 14 Tagen deutlich werden, wenn sich die Notenbanker anlässlich ihrer Beratungen an den anstehenden Konjunkturdaten orientieren und die Geldpolitik ausrichten werden.

So werden im Vorfeld der Sitzung der amerikanischen Notenbank Fed am 29. und 30. April in Deutschland und Euroland die neuesten Inflationsdaten veröffentlicht. Von diesen Zahlen erhoffen sich die Marktteilnehmer Hinweise auf die kommenden Aktivitäten der Europäischen Zentralbank (EZB) anlässlich ihrer turnusmäßigen Sitzung am 8. Mai. Zudem steht weiterhin der Hinweis des EZB-Präsidenten Mario Draghi auf eine mögliche Zinssenkung im Raum. Und auch beim Thema „Quantitative Easing“ gibt es noch keine Klarheit bezüglich dessen Ausgestaltung.

In den USA stellt sich die Sachlage allerdings anders dar. Dort liegt das Augenmerk auf der Sprachregelung der neuen Fed-Chefin Janet Yellen, die sich im Anschluss an die Fed-Sitzung sicherlich zu den neuen Orientierungshilfen der amerikanischen Zinspolitik und zum weiteren Verlauf des Taperings äußern wird. Ob die Notenbanker bereits Vorkenntnisse in punkto der zwei Tage später anstehenden Veröffentlichung der US-Arbeitsmarktdaten haben und in ihre Überlegungen einbinden werden, wird allerdings ein Geheimnis bleiben.

Bleibt nur zu hoffen, dass der alte Börsianerspruch „Sell in May and go away“ in diesem Jahr nicht zur Anwendung kommen wird, und wir stattdessen etwas klarer sehen werden.


Werden Lebensversicherer zur Achillesferse der Finanzbranche?
Ein Mix aus falscher Anlagepolitik, hohen Kosten und überteuerten Garantieansprüchen der Versicherten aus der Vergangenheit können für jedes Unternehmen zur Gefahr werden.

In Zeiten einer dauerhaften Niedrigzinsphase können verschiedene Lebensversicherer immer mehr zum Problem werden. Davor warnte zum wiederholten Male die für die Überwachung zuständige Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) in persona des verantwortlichen Chefaufsehers für die Versicherungen, Felix Hufeld. Denn galt bisher der Ansatz, dass große Unternehmen über eine höhere Finanzkraft verfügen und somit Mindererträge besser ausgleichen können, wird dies inzwischen mit anderen Augen gesehen. Eine Mischung aus falscher Anlagepolitik, hohen Verwaltungskosten und überteuerten Garantieansprüchen der Versicherten aus der Vergangenheit können für jedes Unternehmen zur Gefahr werden. Es bleibt zu hoffen, dass die Warnung nur ein Hinweis auf mögliche Probleme ist und es keinen konkreten Anlass zur Sorge gibt.

Sicherlich stellt die momentane Zinspolitik der Notenbanken für alle Versicherer weltweit eine schier unlösbare Aufgabe dar, weshalb es auch nicht verwunderlich ist, wenn man sich nach anderen Möglichkeiten für Investitionen umschaut. Vor diesem Hintergrund hat sich die Immobilientochter des Versicherungs-Konzerns Allianz zum Kauf der Düsseldorfer Kö-Galerie entschieden. Not macht bekanntlich erfinderisch, und hierbei wird der Versuch unternommen, neue Wege zu beschreiten und so der Niedrigzinspolitik entgegenzuwirken. Zum gleichen Zeitpunkt warnt allerdings der Chef der Commerzbank AG, Martin Blessing, angesichts der Aussicht auf anhaltend niedrige Zinsen vor neuen Blasen an den Finanz- und Immobilienmärkten. Dieser Hinweis ist sicherlich begründet, denn mit Hilfe der Zinspolitik werden alle Finanzierungslücken in einer unverantwortlichen Art und Weise zu einer riesigen Halde aufgetürmt, die von der nachfolgenden Generation nicht mehr abgetragen werden kann.

Aber warum soll in der Finanzpolitik mehr Weitsicht an den Tag gelegt werden als in der Umwelt- und Energiepolitik?

Euro-Bund-Future: Sorgenbarometer auf Diät
Ein Jo-Jo-Effekt ist nicht auszuschließen.

Die Feiertage sind vorbei und viele von uns scheuen den Gang auf die Waage, denn uns könnte nicht gefallen was wir sehen. Im Gegensatz hierzu hatte das Sorgenbarometer in den vergangenen Tagen keine Probleme mit der Gewichtszunahme. Der Appetit der Investoren nach Bundesanleihen scheint vorerst gestillt zu sein, und dies macht sich sofort auf der Waage bemerkbar. So purzelten die Kurse des Euro-Bund-Futures bis auf 143,62%. In der Woche zuvor notierte das Zinsbarometer noch bei 144,64%. Im Gegenzug stieg das Interesse an Peripherie-Bonds. Insbesondere Portugal erfreute sich großer Beliebtheit. Folglich fiel die Rendite zehnjähriger Staatstitel des Landes auf ein neues Acht-Jahres-Tief bei 3,636%. Im Vergleich dazu rentieren zehnjährige Bunds aktuell bei 1,52% und der Juni-Kontrakt handelt zur Stunde bei 143,80%.

Aus Sicht der Charttechnik verlaufen eine erste Unterstützung bei 143,62% (Tief vom 22.04.2014) sowie eine zweite Unterstützung bei 143,15%, und als Widerstand ist das Hoch vom 15. April 2014 bei 144,64% auszumachen.

Ein schneller Gewichtsverlust hat oftmals den „Jo-Jo-Effekt“ zur Folge und so könnte es in den nächsten Handelstagen auch dem Euro-Bund-Future ergehen. Es gibt weiterhin viele offene Themen wie die Ukraine-Krise und die Geldpolitik der EZB, die diesen Effekt beschleunigen könnten.

Neuemissionen: USA überschwemmt den Markt
Euroland lässt die Feiertage langsam ausklingen

Während man in Deutschland noch das verlängerte Wochenende genießen durfte, hat man sich in den USA bereits wieder mit der finanziellen Realität befasst. In dieser Woche wurden neben 73 Mrd. US-Dollar als Geldmarkttitel auch insgesamt 96 Mrd. US-Dollar mittels zwei-, fünf- und siebenjährigen T-Bonds am Kapitalmarkt aufgenommen. Insbesondere die kürzeren Laufzeiten konnten vor dem Hintergrund eines bei den Fed Funds Futures für September 2015 bereits eingepreisten Zinsanstiegs auf 0,50% nur zu etwas höheren Renditen platziert werden.

In Euroland hingegen wurden Belgien und die Niederlande am Kapitalmarkt aktiv und stockten Altemissionen unterschiedlicher Laufzeiten auf. Am heutigen Donnerstag wird auch Spanien für ca. 4 bis 5 Mrd. € Anleihen mit Fälligkeiten in 2017, 2019 und 2024 volumenstechnisch erweitern.

Währungsanleihen: Hoch- und Tiefdruckgebiete
AUD ging zum Euro auf Tauchstation

Kaum sind die Osterfeiertage vorüber und man befindet sich wieder im Alltag des Arbeitslebens kommt die Sonne zum Vorschein. Gegenüber dem Greenback beschreibt der Euro jedoch noch eine Aprilwetter ähnliche Seitwärtsbewegung. Trotz der anhaltenden Krise in der Ukraine zeigte sich die Gemeinschaftswährung vor dem verlängerten Wochenende relativ robust. Lediglich die seit Oktober 2007 niedrigste Zahl der Neuanträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA brachte den Euro etwas in Bedrängnis, so dass er von 1,3865 USD auf 1,3783 USD nachgab. Aber weder die Aussage von EZB-Direktor Benoit Coeure, dass er niedrigere Zinsen im Euro-Raum nicht ausschließe, noch die europäischen PMI’s verhalfen dem Euro zu einem Ausbruch aus seinem Seitwärtskanal auf hohem Niveau. Aktuell bewegt sich die Gemeinschaftswährung somit weiterhin um die Marke von 1,383 USD.

Ob uns am Devisenmarkt in den nächsten Tagen ein Wetter-Hoch oder ein -Tief bevorsteht, kann möglicherweise schon heute nach der Veröffentlichung des Ifo-Index oder einer Rede von EZB-Chef Mario Draghi in Amsterdam beantwortet werden.

Zumindest im Vergleich mit dem australischen Dollar kann sich der Euro aktuell über eine Schönwetterfront freuen. Hier stieg die Gemeinschaftswährung von 1,4713 AUD auf 1,4929 AUD. Grund hierfür sind abflauende Spekulationen auf eine Zinserhöhung in Australien, da die Inflation überraschend gering ausfiel.

Die Privatanleger ließen sich während der wenigen Handelstage vom jeweiligen Wetter nicht irritieren und fragten hauptsächlich Fremdwährungsanleihen auf brasilianische Real, australische Dollar und norwegische Kronen nach.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.Baadermarkets.de

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