Kolumnen & Analysen Devisen

Baader Bond Markets: "EZB-Zinspolitik lässt Anleger risikofreudiger agieren"
Börse Frankfurt - Bonds - 15.11.2013

Wochenkommentar zum Anleihenhandel

15. November. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Vor dem Hintergrund der Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) wagen sich Anleger in immer risikoreichere Gefilde. Doch nachdem die EZB in der vergangenen Woche den Leitzins auf das Rekordtief von 0,25 Prozent gesenkt hat, ist die Trüffelsuche nach halbwegs rentierlichen Anlagen von einigermaßen ordentlichen Schuldnern nochmals schwieriger geworden. Gleichzeitig werden am Beispiel Italien die Beweggründe greifbar, die die EZB zu dem erneuten Zinsschritt getrieben haben. Bei einer Versteigerung von einjährigen Schuldtiteln in dieser Woche konnte sich das südeuropäische Land so günstig wie noch nie refinanzieren.

Auffallend war nach der jüngsten Zinsentscheidung die Wiederentdeckung von Fremdwährungsanleihen. Im Zuge einer schwächeren Euro-Entwicklung rückten somit Bonds der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), die in brasilianischen Real und türkischer Lira notieren, in den Blickpunkt. Gesucht waren unter anderem eine Anleihe der KfW (WKN: A1E8U5) in türkischer Lira mit Laufzeit 2/2016 und einer Rendite von ca. 7,82 Prozent sowie eine Medium Term Note der KfW A1RE8Z) in brasilianischen Real, die mit ca. 9,56 Prozent rentiert und 3/2016 fällig wird.

Gesucht waren auch Anleihen der Euro-Peripherie, die aufgrund der Zusicherung der EZB, alles für den Erhalt des Euros zu tun, in den vergangenen Monaten stetig gestiegen sind. So gesehen sind diese Bonds anscheinend keine Risikopapiere mehr, werfen aber wie eine zehnjährige Anleihe Spaniens A1HK7U) immer noch rund 4 Prozent Rendite ab.

Ebenso gefragt waren ein Bond von Hyundai A1HKXR), der 5/2017 fällig wird und mit ca. 4,80 Prozent rentiert sowie eine Anleihe von NH Hoteles A1HS2R) mit ca. 6,36 Prozent Rendite und Laufzeit 11/2019.

Dass nicht immer alle Rechnungen aufgehen, haben Anleger erlebt, die in Venezuela engagiert waren. Nachdem der Internationale Währungsfonds (IWF) geäußert hatte, er sehe das ölreiche Land von einer Wirtschaftskrise bedroht, waren dessen Anleihekurse eingebrochen. So fiel ein bis 3/2015 laufender Bond von Venezuela A0DZ45) auf rund 91 Prozent, nachdem der Kurs zuvor stabil um pari notiert hatte. Bei dem jetzigen Kursniveau errechnet sich eine Rendite von rund 14,30 Prozent.

Doch trotz Anlagenotstands gehen die Investoren selektiv vor. Darauf deutet eine Untersuchung der Ratingagentur Scope hin. Demnach ist die Platzierungslücke bei hochrentierlichen Mittelstandsanleihen in diesem Jahr auf 30 Prozent gestiegen. 2010 waren es noch 12 Prozent. Die in diesem Jahr bekannt gewordenen Unternehmensinsolvenzen haben die Investoren offenbar vorsichtiger werden lassen. Bei den hohen Kupons ist es durchaus möglich, gezielt Chancen zu nutzen.

Bei EZB werden Falken von Tauben geschlagen

Verkehrte Tierwelt: Am vergangenen Donnerstag hat sich herausgestellt, dass bei der Europäischen Zentralbank (EZB) nicht die Tauben von den Falken geschlagen werden, sondern umgekehrt. Die erneute Senkung des Leitzinses von 0,5 Prozent auf 0,25 Prozent war dem Druck der Euro-Sorgenländer geschuldet. Durch die paritätische Stimmenverteilung mussten sich 5 standhafte Vertreter von 18 anders denkenden EZB-Ratsmitgliedern überstimmen lassen. Nicht zuletzt wird dieses Abstimmungsergebnis nochmals die Diskussion um die Veröffentlichung der Sitzungsprotokolle anheizen.

Grundsätzlich sei in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, dass eine Notenbank immer nur zwei sinnvolle Möglichkeiten der Geldpolitik hat. Eine davon ist das Nachvollziehen einer bereits eingepreisten Zinsänderung und die andere, der Überraschungseffekt. Vor einer Woche hat man sich für den Paukenschlag entschieden, mit dem nur die wenigsten Marktbeobachter gerechnet hatten.

Da man aber nicht von einer nachhaltigen Belebung des Kreditgeschäfts in den Krisenländern ausgehen kann, besteht jetzt die Gefahr, dass falsche Risikoeinschätzungen und falsche Investitionsentscheidungen die Folge sind. Somit kann diese Zinssenkung sehr schnell zum Problem für Deutschland werden, denn bereits jetzt sind die Notenbanken der Euroländer bei der Deutschen Bundesbank mit 570 Milliarden Euro verschuldet. Anscheinend ist man in „Rest-Euroland“ der Überzeugung, dass Deutschland schon zahlen wird. Dies spiegelt auch die Meinung von Alan Greenspan, dem Grandseigneur der amerikanischen Geldpolitik, wider, der die Überlebenschancen des Euros mit dem Erreichen einer politischen Union verknüpft. Als erster Vorbote in diese Richtung gilt die Bankenunion, die trotz vorheriger heftiger Dementis inzwischen beschlossen wurde.

Daimler und Danone bringen milliardenschwere Bonds an den Markt

Unter einer ganzen Reihe von Neuemissionen stachen in dieser Woche Bonds von Daimler und Danone heraus. Der Stuttgarter Autobauer brachte eine fünfjährige Anleihe A1X3GC), die mit einem Kupon von 1,50 Prozent ausgestattet ist und bis 11/2018 läuft, erfolgreich am Markt unter. Gepreist wurde der 1 Milliarden Euro schwere Bond bei +43 Basispunkten über Mid Swap, was einem Emissionspreis von 99,756 Prozent entsprach. Ebenfalls 1 Milliarden Euro schwer ist die neue Anleihe des Getränke- und Lebensmittelkonzerns Danone mit Sitz in Paris A1HTD0), die 11/2021 fällig wird und einen Kupon von 2,25 Prozent aufweist. Gepreist wurde der Yoghurt-Bond bei +53 Basispunkten über Mid Swap. Der Emissionspreis betrug 99,92 Prozent.

Mit General Mills begab ein weiterer Lebensmittelkonzern eine siebenjährige Anleihe A1HTD1) mit Fälligkeit 11/2020. Der Kupon des 500 Millionen Euro schweren Bonds beträgt 2,10 Prozent. Gepreist wurde die Anleihe bei +55 Basispunkten über Mid Swap, was einem Emissionspreis von 99,98 Prozent entsprach.

Der Bergbau- und Rohstoffkonzern Anglo American zapfte gleich mit zwei Anleihen den Kapitalmarkt an. Der erste Bond A1HTLG) läuft bis 11/2017 und weist einen Kupon von 1,75 Prozent auf. Gepreist wurde die vierjährige Anleihe, deren Volumen 900 Millionen Euro beträgt, bei +97 bps über Mid Swap. Der Emissionspreis wurde mit 99,675 Prozent fixiert. Der zweite neue Bond von Anglo American A1HTLH) mit Laufzeit 11/2020 und einem Kupon 2,875 Prozent ist 600 Millionen Euro schwer. Gepreist wurde der siebenjährige Titel bei +65 Basispunkten über Mid Swap, was einem Emissionspreis von 99,395 Prozent entsprach.

Ebenfalls ein Duo an Bonds platzierte Total, ein französisches Mineralölunternehmen. Zum einen emittierte Total eine Anleihe A1HTK1), die bis 11/2021 läuft und einen Kupon von 2,125 Prozent aufweist. Die 850 Millionen schwere Anleihe wurde bei +47 Basispunkten über Mid Swap gepreist. Der Emissionspreis betrug 99,361 Prozent. Zum anderen begab Total eine 650 Millionen Euro schwere Anleihe A1HTK2) mit Fälligkeit 11/2025 und einem Kupon von 2,875 Prozent. Gepreist wurde die zwölfjährige Anleihe bei +65 Basispunkten über Mid Swap, was einen Emissionspreis von 99,331 Prozent ergab.

In italienischen Bankbilanzen ticken Zeitbomben

Vor allem kleinen Unternehmen in Italien fällt es schwer, ihre Kredite zu bedienen. Dies hat mit dazu beigetragen, dass die Banken des Landes mit 144,5 Milliarden Euro einen Rekordwert an faulen Krediten in ihren Büchern haben, die wie Zeitbomben ticken.

Mit der Hoffnung auf einen wachstumsfreundlicheren Kurs beobachtet man in Italien, dessen Wirtschaft auch im dritten Quartal 2013 geschrumpft ist, die neuen Koalitionäre von Union und SPD. Deutschlands innere Stabilität sei nur sinnvoll, solange es zu Wachstum und Stabilität in Europa beitrage, meint Ministerpräsident Enrico Letta. Indirekt schwingt da der Vorwurf mit, die Deutschen seien mit Schuld an der italienischen Misere. Italiens Unternehmen im Einzelhandel, Tourismus und Dienstleistungssektor hätten keine Kraft mehr – „vom Norden bis zum Süden“, klagt der Unternehmerverband. Da schimmert durchaus die Hoffnung auf zahlungskräftige deutsche Touristen durch.

Vielleicht vermag ja eine andere Debatte Abhilfe schaffen, die ausgerechnet Silvio Berlusconis Mitte-Rechts-Partei PdL losgetreten hat. Diese hat nämlich den Verkauf von Stränden zur Sanierung der maroden Staatsfinanzen vorgeschlagen, was allerdings an der Adria heftig umstritten ist. Dies würde die Veräußerung von Strandbereichen bedeuten, an denen bereits von privater Seite errichtete Einrichtungen rund ums Baden im Betrieb sind. Unterm Strich soll diese Maßnahme vier bis fünf Milliarden Euro einbringen. Vielleicht sollte man aber eher den Urlaubern statt des Liegestuhls zur Miete handtuchgroße Strandparzellen zum Verkauf anbieten.

Weidmann will Teufelskreis durchbrechen

Von einem Teufelskreis spricht Bundesbank-Präsident Jens Weidmann, wenn es um den Zusammenhang von maroden Staatsfinanzen und faulen Bankbilanzen geht. Um diese Abwärtsspirale zu durchbrechen, muss aus seiner Sicht die Vorzugsbehandlung von Staatsanleihen beendet werden. "Staatsanleihen sollten mittelfristig so behandelt werden wie andere Anleihen oder Kredite an Unternehmen auch", fordert Weidmann.

Weil die meisten Staatsanleihen als risikolos bewertet werden können, müssen Banken kein entsprechendes Eigenkapital zur Sicherheit vorhalten. Das sendet nach Überzeugung Weidmanns widersprüchliche Signale aus und läßt die Frage aufkommen, ob eine Staatsinsolvenz überhaupt zulässig ist. Seines Erachtens lasse diese Vorzugsbehandlung das Eintreten eines solchen Falls schon deshalb als unrealistisch erscheinen, weil ein staatlicher Zahlungsausfall ohne entsprechenden Kapitalpuffer der Banken, mit hoher Wahrscheinlichkeit, eine Finanzkrise auslösen würde. Er spricht damit eine Verzerrung der Märkte an, an die sich viele vielleicht schon gewöhnt haben. Sicher, man könnte das Problem nicht mit einem Schlag lösen. Übergangsfristen wären nötig, damit die Banken ihre Bewertungen entsprechend anpassen könnten.

Und in letzter Konsequenz müssten laut Weidmann auch Staatsinsolvenzen und Insolvenzen großer Banken möglich sein, ohne dass dadurch die Stabilität des europäischen Finanzsystems als Ganzes gefährdet wäre. Woher aber die Gelder für diesen Schutzwall kommen sollen, wird er uns sicherlich demnächst verraten. Oder muss doch wieder der Steuerzahler am Ende die Zeche bezahlen?

Kneippsche Wechselgüsse

Kneippianer wären über solche Wechselgüsse entzückt gewesen: Den Rentenhändlern lief es während der vergangenen Handelswoche nur noch heiß und kalt den Rücken runter. So wurde nach der unerwarteten Zinssenkung durch die EZB der Euro-Bund-Future von 141,28 Prozent auf 142,10 Prozent erhitzt, um zum Wochenschluss wieder auf 140,90 Prozent abgekühlt zu werden. Dazu hatte die Bekanntgabe von über 200.000 neu geschaffenen Stellen in den USA geführt. Somit galt zum Wochenende schon wieder das Sprichwort: „Wie gewonnen so zerronnen.“ Wechselbäder gehen aber an die Substanz, das wusste schon Pfarrer Kneipp. Und daher ist es nicht verwunderlich, dass die Marktteilnehmer es - bei dürftiger Nachrichtenlage – jetzt ruhig angehen lassen. Aktuell notiert der Euro-Bund-Future bei ca. 141,40 Prozent und somit noch über der kritischen Marke.

Aus charttechnischer Sicht haben sich die Grenzwerte, im Vergleich zu den vorherigen Wochen, nur wenig verschoben. Der starke Widerstand bei 142,37 Prozent (Hoch vom 19.07.13) wurde erneut nicht getestet und bleibt uns weiterhin erhalten. Nach dem schnellen Rückfall auf die psychologische Marke von 141,00 Prozent rückt allerdings der Bereich um 140,50 Prozent (mehrere Hochs im Oktober 2013) in den Fokus der Future-Händler. Bei Durchbrechen dieser Unterstützungslinie wäre theoretisch ein Test der 138,79 Prozent (Tief vom 16.09.13) möglich. Dies würde einer Rendite von ca. 2 Prozent für deutsche Staatsanleihen mit einer Restlaufzeit von 10 Jahren entsprechen.

Ein Blick auf den Kalender lässt allerdings ein anderes Szenario wahrscheinlicher erscheinen: Seitwärtsbewegung bei ca. 141 Prozent sowie Vorbereitung auf Weihnachten und den Jahresultimo.

Italien profitierte als erstes Euroland vom Zinsschritt

In dieser Woche war es wieder soweit. Der ESM-Rettungsfonds hat mittels einer zehnjährigen Anleihe (WKN A1U980) den Betrag von 3 Milliarden Euro am Kapitalmarkt aufgenommen. Die Akzeptanz am Markt spiegelt sich im Renditeaufschlag gegenüber der vergleichbaren Anleihe der Bundesrepublik Deutschland wider. Mit +0,45 Prozent entsprach dies anscheinend den Vorstellungen der größten Käufergruppe, asiatischer Investoren. Dort konnten ca. 27 Prozent des Volumens platziert werden. Aber auch Italien konnte mittels einer einjährigen Anleihe 6,5 Milliarden Euro aufnehmen. Und zwar zu den günstigsten Konditionen seit Einführung des Euros (0,688 Prozent). Noch vor einem Monat musste für diese Laufzeit eine Rendite von 0,999 Prozent geboten werden.

Dennoch sind diese Konditionen noch um ein Vielfaches höher als jene, die mit den jüngsten deutschen Emissionen zu erzielen sind. Die um eine Milliarden Euro aufgestockte inflationsindexierte Anleihe 103054) von 2012 (2023) wurde bei einer 2,2-fachen Überzeichnung mit einer realen Durchschnittsrendite von 0,29 Prozent zugeteilt. Das Gesamtvolumen beläuft sich nun auf 13 Milliarden Euro. Auch bei der mit einem Kupon von 0 Prozent ausgestatteten zweijährigen Bundesschatzanweisung 113744) wurden insgesamt 5 Milliarden Euro bei gleicher Überzeichnungsquote mit einer Durchschnittsrendite von 0,10 Prozent zugeteilt.

Närrisches Treiben am Devisenmarkt

In Deutschland hat die närrische Zeit begonnen. Seit Wochenbeginn sind in den Karnevalshochburgen der Republik die Narren los. Ganz so ausgelassen geht es am Devisenmarkt nicht zu. Allerdings sorgte der EZB-Rat bei seiner letzten Sitzung für einen Paukenschlag. Die Senkung des Leitzinses auf 0,25 Prozent kam für viele Marktteilnehmer überraschend, die Marktreaktionen waren dem entsprechend. Für die europäische Gemeinschaftswährung ging es rasant gen Süden. Der Euro fiel zeitweise auf 1,3298 US-Dollar, dem tiefsten Stand seit Mitte September. Im weiteren Handelsverlauf beruhigte sich das närrische Treiben merklich und so konnte sich die Einheitswährung peu à peu bis auf 1,3450 US-Dollar erholen.

Auch die Landeswährung Norwegens zeigte sich in den vergangenen Wochen alles andere als stabil. Zu Monatsbeginn notierte der Euro noch bei 8,01 Norwegische Kronen. Anschließend schaffte es der Euro aufgrund schwächerer Konjunkturaussichten Norwegens mit 8,3580 Norwegische Kronen sogar ein neues 4-Jahres-Hoch zu markieren.

Somit gehörten Währungsanleihen auf norwegische Kronen in dieser Handelswoche zu den umsatzstärksten Titeln. Darüber hinaus waren aber auch Anleihen auf australische Dollar, US-Dollar, türkische Lira, sowie brasilianische Real im Fokus der Anleger.

Autor: Klaus Stopp, stellvertretender Leiter Rentenhandel der Baader Bank

Dieser Artikel gibt die Meinung des Autors wieder, nicht die der Redaktion von boerse-frankfurt.de. Sein Inhalt ist die alleinige Verantwortung des Autors.

© 15. November 2013/Baader Bank AG

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