Kolumnen & Analysen Devisen

Wochenbarometer Rentenmärkte - 36. KW 2013
HSH Nordbank Research - Bonds - 05.09.2013

Machtlose EZB versucht Zinsanstieg zu bremsen. Syrien könnte dominierenden Einfluss auf Rentenmärkte bekommen.

Die EZB-Pressekonferenz kann mit einem Satz zusammengefasst werden: Es war der Versuch, Zinssenkungsphantasien am Leben zu erhalten, um dem USRenditeanstieg zu entkommen. Der Euro-Wechselkurs hat mit einem Schwächeanfall reagiert, aber die zehnjährigen Bund-Renditen durchbrachen die Schallmauer von 2%.

Dabei hatte sich der EZB-Präsident Mario Draghi durchaus einige Argumente zurechtgelegt. Der Preisdruck werde auch in der mittleren Frist als schwach angesehen; in 2014 habe man die Wachstumserwartung etwas heruntergeschraubt; und die „grünen Triebe“ der Erholung seien noch sehr grün.

Auf die Frage, was denn die EZB zu tun gedenke, wenn die Zentralbankliquidität im Markt weiter zurückginge und der Eonia-Zins dann stiege, antwortete Draghi mit einem vorbereiteten Text: Ein Anstieg von Eonia sei eventuell dann zu erwarten, wenn die Überschussliquidität (derzeit bei etwa 250 Mrd. EUR) auf 100 bis 200 Mrd. EUR zurückginge. Man stünde in jedem Fall Gewehr bei Fuß, mit anderen Worten: Notfalls werde man den Leitzins noch mal senken. Und schließlich gab Draghi noch Interpretationshilfe bezüglich der Forward Guidance: Mit dieser habe man sagen wollen, dass die EZB den Leitzins eher senken als erhöhen werde („downward bias“). Aber es hat alles nicht geholfen. Die eigentlich angestrebte Abkoppelung von der Renditeentwicklung in den USA funktionierte bislang nicht. Während der Pressekonferenz bewegten sich die Bund- und die Treasury-Renditen im Tandem und legten per Saldo kräftig zu.

Ist die EZB so gesehen machtlos? Ja. Denn ihr ordnungspolitisches Gewissen verbietet es ihr, sich mit einer massiven QE-Offensive – mit ungewissem Ausgang – zu wehren. Auch eine Verschärfung der Forward Guidance in Form eines unbedingten Zinsversprechens würde keine Mehrheit im Rat finden. Somit werden die Ausstiegspläne der Fed maßgeblich das langfristige Renditeniveau der Bunds beeinflussen.

In Bezug auf die Syrien-Krise hat sich keine entscheidende Änderung ergeben. Präsident Obama, der die Entscheidung über einen Militärschlag gegen Syrien überraschend verzögerte, dürfte nach der Zustimmung durch den Senatsausschuss nunmehr vermutlich auch vom Kongress das „go“ für eine Strafaktion gegen das Nah-Ost-Land bekommen. Diese wird auf 60 Tage veranschlagt, mit einer Verlängerungsmöglichkeit um 30 Tage, ohne den Einsatz von Bodentruppen. Der große Unsicherheitsfaktor für die Finanzmärkte ist die Reaktion Syriens und seiner Verbündeten. Sowohl die Treasury-Kurse als auch der US-Dollar dürften von dieser Unkalkulierbarkeit profitieren, sobald es zum Militärschlag kommt.

Hinweis
Der Marktkommentar ist ein Auszug aus dem wöchenlich erscheinenden Wochenbarometer für die Renten- und Devisenmärkte der HSH Nordbank. Den vollständigen Bericht und weitere Publikationen erhalten Sie auf unternehmerpositionen.de und HSH-Nordbank.de

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