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Anleihen: Euro-Bund-Future hält sich
Börse Frankfurt - Bonds - 08.12.2017

8. Dezember 2017. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Auf die Nachricht über eine grundsätzliche Einigung zwischen der Europäischen Union und Großbritannien, in Kürze in die zweite Phase der Brexit-Verhandlungen eintreten zu können, reagieren Anleger mit Erleichterung. Der Euro-Bund-Future eröffnete am Morgen gut 20 Basispunkte leichter. Aktuell notiert das hiesige Zinsbarometer für zehnjährige Staatsanleihen bei 163,17 Prozent. Das ist ein leichtes Plus im Vergleich zum Wochenbeginn. Sollten die Staats-und Regierungschefs sowie die EU-Kommission mit den erzielten Ergebnissen vor allem hinsichtlich der irischen Grenzfrage und den Rechten von EU-Bürgern nach dem EU-Austritt zufrieden sein, werde es im nächsten Schritt insbesondere um die künftigen Handelsbeziehungen zwischen Europäischer Union und dem Königreich samt angestrebter mehrjähriger Übergangsphase gehen.

Vieles ist alljährliches Theater



Auch die Vereinigten Staaten kommen ihrem Haushalt für das kommende Jahr schrittweise näher. Nach dem zunächst bis zum 22. Dezember abgewendeten so genannten Government Shutdown - sprich dem Einstellen der Arbeit von US-Regierungsbehörden bei Erreichen des gegenwärtig geltenden Schuldenlimits - rechnet Robert Halver von der Baader Bank mit einer Einigung. Vor dem Hintergrund öffentlich zur Schau getragener, theatralischer Auseinandersetzungen würde vermutlich rechtzeitig ein Budget verabschiedet. Die Zustimmung der Demokraten werde aller Voraussicht nach mit republikanischen Zugeständnissen in puncto Gesundheitssystem und Katastrophenschutz gesichtswahrend erkauft. Auch wollten die Demokraten mit Blick auf die im kommenden Jahr anstehenden Kongresswahlen wohl kaum als Staatsbankrotteure dastehen.

Einigung zu griechischen Reformen



Bereits erfolgreich abgeschlossen sind die Diskussionen um die Auszahlung der nächsten Kreditrate für Griechenland. "Nachdem Athen eine Reihe von zum Teil einschneidenden Zugeständnissen an die internationalen Geldgeber gemacht hat, können am 22. Januar nächsten Jahres fünf Milliarden Euro ausgezahlt werden", fasst Klaus Stopp zusammen. Die zwei Monate anhaltenden Verhandlungen und Inspektionen bezeichnet der Rentenhändler der Baader Bank als eher kurz. Dennoch habe Athen weitreichenden Reformen zugestimmt.

Durch die Privatisierung von vier Kohlekraftwerken werde beispielsweise der staatliche Energiemarkt geöffnet. Der bestehenden Vetternwirtschaft soll mit künftig öffentlichen Ausschreibungen von Schlüsselpositionen entgegengetreten werden. Das werde gleichzeitig Spareffekte in der Verwaltung mit sich bringen. "Selbst beim Streikrecht gibt es Einschnitte." Statt wie bisher einen Arbeitskampf lediglich auszurufen, dürfe künftig nur mit einer Mehrheit im Rahmen einer Urabstimmung gestreikt werden.

Athen hofft auf Rückkehr an den Kapitalmarkt
Zugestimmt zum Maßnahmenpaket habe Tsipras auch deshalb so zügig, weil er sich ab 2018 wieder zu vertretbaren Konditionen über den Kapitalmarkt refinanzieren wolle. Für Stopp hat der Regierungschef allerdings ein Glaubwürdigkeitsproblem, da Tsipras sich immer wieder von bereits vereinbarten Reformen distanziert habe. Auch deshalb würden griechische Staatsanleihen nach wie vor mit höheren Risikoaufschlägen gehandelt als die Bonds anderer hochverschuldeter europäischer Staaten. Hinzu komme die an Schwung verlierende Wirtschaft des Landes. Im dritten Quartal habe das Bruttoinlandsprodukt nur noch um 0,3 Prozent zugelegt. In den beiden Quartalen zuvor seien es 0,8 und 0,7 Prozent gewesen. "Das Wirtschaftswachstum im Gesamtjahr wird damit wohl geringer ausfallen, als von der Regierung in Athen erhofft."

Steinhoff-Skandal trifft EZB



Den Anleihehandel beschreibt Gregor Daniel als insgesamt vorweihnachtlich beschaulich. Die im Raum stehende Bilanzfälschung der Steinhoff-Gruppe habe in dieser Woche einen Ausverkauf von Bonds des Unternehmens ausgelöst. Unter anderem würde eine in 2025 fällige Anleihe (WKN A19LXV) des weltweit zweitgrößten Möbelherstellers abgestoßen. Ebenso flüchteten Anleger aus einer Steinhoff-Wandelanleihe (WKN A1Z4ZX). Mittlerweile habe Moody's dem Konzern das Investment Grade aberkannt. Damit sehe die Ratingagentur ernste Zweifel, dass Steinhoff seien Schulden begleichen kann. "Das Papier ist derzeit nur etwas für Zocker", urteilt der Händler der von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank. "Der Europäischen Zentralbank dürfte das nicht gefallen." Die Währungshüter nähmen im Rahmen ihres Anleihen-Kaufprogramms seit Mitte 2016 auch Unternehmensanleihen in ihre Bücher und hielten unter anderem Werte vom Poco-Mutterkonzern Steinhoff.

Ausfälle treffen auch Deutschland



Die Schweizer UBS Bank hat in diesem Zusammenhang ermittelt, dass in den Bilanzen der EZB mittlerweile 26 Bonds ohne Investment Grade auftauchen. Weitere 84 Titel kämen auf gerade mal eine Stufe darüber. Könne ein Emittent seinen Verpflichtungen bei der EZB nicht nachkommen, hafte Deutschland nach einem festgelegten Schlüssel für etwa ein Viertel der Verluste.

VW refinanziert sich erfolgreich am Kapitalmarkt
Bei drei Neuemissionen von Volkswagen mit einem Volumen von insgesamt zwei Milliarden Euro hätten Investoren beherzt zugegriffen, wie Rainer Petz von der Oddo Seydler Bank berichtet. Ein bis 2025 laufender Wert (WKN A1X3P2) mit einem Kupon von 1,25 Prozent sei ebenso gut angekommen wie eine mit jährlich 0,75 Prozent Zinsen ausgestattete Anleihe (WKN A1X3P1), die 2023 zur Rückzahlung ansteht. "Beide sind 750 Milliarden Euro schwer und haben eine für Privatanleger geeignete Stückelung von 1.000 Euro." Bond Nummer drei (WKN A1X3P0) sei in Einheiten von 100.000 Euro zu haben. "Die drei Bonds sind seit heute im Handel."

Von: Iris Merker
8. Dezember 2017, © Deutsche Börse AG

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